Einbürgerungsinitiative der Stadt Kassel: positive Zwischenbilanz

Walpurga Drubel gehört zu den ersten Kasseler Bürgerinnen und Bürgern, die seit dem Start der städtischen Einbürgerungsinitiative vor rund vier Monaten ihre Einbürgerungsurkunde entgegennehmen durften. Oberbürgermeister Bertram Hilgen überreichte der 70-jährigen Kasselerin mit niederländischen Wurzeln die Urkunde jetzt persönlich. Wie fast alle EU-Bürger darf sie ihre ursprüngliche Staatsangehörigkeit behalten. „Ich kann Frau Drubel zu ihrem Entschluss nur beglückwünschen, dass sie sich zusätzlich zur niederländischen auch für die deutsche Staatsangehörigkeit entschieden hat“, sagte Hilgen.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen (rechts im Bild) und Frank Müsken (links), Leiter der Abteilung Standesamt, gratulieren Walpurga Drubel und Josip Vukman zur deutschen Staatsangehörigkeit. ; © Stadt Kassel; Foto: Soremski
Oberbürgermeister Bertram Hilgen (rechts im Bild) und Frank Müsken (links), Leiter der Abteilung Standesamt, gratulieren Walpurga Drubel und Josip Vukman zur deutschen Staatsangehörigkeit.

Flyer-Cover für die Einbürgerungskampagne; © Stadt Kassel

Ein "ja" zur Stadt Kassel

Gleichzeitig ermutigte der Oberbürgermeister auch andere Menschen aus Kassel mit ausländischer Staatsbürgerschaft, die möglicherweise die rechtlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen, sich im städtischen Bürgeramt beraten zu lassen. Hilgen: "Mit der Einbürgerung drücken Sie klar aus: Ich lebe gern in Deutschland und in Kassel, ich möchte hier bleiben." Seit die Initiative im Oktober vergangenen Jahres gestartet wurde, haben sich dort fast 25 Prozent mehr Menschen über die Einbürgerung beraten lassen als im selben Zeitraum des Vorjahres, erklärte Hilgen. Waren es im Zeitraum zwischen Oktober 2015 und Januar 2016 noch 800 Beratungen, stieg die Zahl in den vergangenen vier Monaten auf fast 1.000 Beratungen.

Auch die Zahl der gestellten Einbürgerungsanträge sei gestiegen. Hilgen: "Das Konzept zeigt erste Erfolge: Seit Oktober wurden 245 Anträge zur Einbürgerung gestellt. Das sind fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Viele – wie Frau Drubel  – sind allein über die mediale Berichterstattung auf unsere Initiative aufmerksam geworden." Auch für Josip Vukman aus Kassel gaben die Presseberichte zur Einbürgerungsinitiative den entscheidenden Ausschlag. Der 46-Jährige wurde in der Fuldastadt als Sohn eines kroatischen Einwanderers geboren. Schon lange habe er den Gedanken mit sich getragen, sich einbürgern zu lassen. "Ich bin in Kassel geboren und fühle mich als fester Teil der Kasseler Gesellschaft. Aber Irgendetwas hat immer gefehlt", sagte Vukman. Seit Mitte Januar besitzt er nun neben einem kroatischen auch den deutschen Pass.

Etwa 17.000 Menschen in Kassel könnten sich einbürgern lassen
Damit sich mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln einbürgern lassen, hat die Stadt im Oktober des vergangenen Jahres die Initiative "Mein Kassel – Mein Zuhause" gestartet. Schließlich erfüllen etwa 17.000 Menschen in Kassel die rechtlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung. Kernstück der Einbürgerungsinitiative ist ein persönliches Anschreiben von Oberbürgermeister Hilgen, in dem er Interesse für eine Einbürgerung wecken möchte und auf die Vorteile der deutschen Staatsangehörigkeit hinweist.

Der Leiter der Abteilung Standesamt, Frank Müsken, sagte: "Wir haben seit Oktober rund 2.300 Menschen in drei Kasseler Stadtteilen angeschrieben, die eine ausländische Staatsangehörigkeit haben, und seit mindestens acht Jahren in Deutschland leben. Im Beratungsgespräch lässt sich dann aber erst tatsächlich prüfen, ob eine Einbürgerung möglich ist." In den kommenden zwei Jahren – solange ist die städtische Einbürgerungsinitiative noch angelegt und wird vom Land Hessen als innovatives Projekt gefördert – werden jetzt nach und nach noch rund 15.000 Menschen im restlichen Kasseler Stadtgebiet  angeschrieben.

Ehrenamtlichen Einbürgerungs-Begleiter geben Hilfestellung
Personen, die vor dem Beratungstermin Hemmungen haben, können sich nach wie vor von ehrenamtlichen Einbürgerungs-Begleiterinnen und -Begleitern unterstützen lassen. Einige der Begleiter haben das Verfahren selbst bereits durchlaufen, stehen bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite und helfen bei Verständnisschwierigkeiten. Müsken: "Wir stellen gern einen Kontakt her." Die Unterstützung durch ehrenamtliche  Einbürgerungs-Begleiter werde aber noch sehr zurückhaltend angenommen, sagte Müsken.

Hintergrund: Einbürgerung
Wer eingebürgert werden möchte, muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen: Beispielsweise seit mindestens acht Jahren rechtmäßig in Deutschland leben, den Lebensunterhalt allein bestreiten und über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Die Gebühr für einen Einbürgerungsantrag beträgt pro Person 255 Euro. Kinder unter 16 Jahren, die gemeinsam mit mindestens einem Elternteil eingebürgert werden, zahlen 51 Euro.

Veröffentlicht am:   23. 02. 2017  

Service

Social Media