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Geschwindigkeits-Messanlagen erhöhen Verkehrssicherheit in Kassel

Die sechs stationären Geschwindigkeits-Messanlagen in Kassel erhöhen die Verkehrssicherheit. Dieses positive Fazit lässt sich nach den ersten neun Wochen ziehen, in denen die Anlagen in Betrieb sind. An den sechs Mess-Stellen auf der Bundesstraße 83, der Frankfurter Straße, der Wilhelmshöher Allee und dem Steinweg wird jetzt deutlich seltener zu schnell gefahren. Die stationären Geschwindigkeits-Messanlagen sind seit dem 24. November 2016 an vier Standorten in Kassel in Betrieb.
 
Die Zahl der Geschwindigkeits-Überschreitungen an diesen Stellen ist deutlich zurückgegangen: Die so genannte Überschreitungsquote liegt im Schnitt aller Mess-Stellen bei 1,4 Prozent. Bei den statistischen Messungen, die im Jahr 2014 während der Prüfung der Mess-Standorte erfolgt waren, lag die Überschreitungsquote noch zwischen 3 und 6 Prozent (an der B 83 gar bei 58 Prozent). Das Ziel, durch die stationären Geschwindigkeits-Messanlagen positiv auf die Verkehrssicherheit einzuwirken, wird somit erreicht.

Foto vom Steinweg - sehr viele Autos befahren die Straße dort, wo auch ein Fußgängerüberweg ist; © Stadt Kassel; Foto: Happel-Emrich
Der Steinweg wird im Bereich der Museen und des Theaters von vielen Fußgängern frequentiert. Gleichzeitig fahren Autofahrer hier vielfach zu schnell. Deshalb ist der Steinweg einer von vier Standorten, an denen die Stadt Kassel eine stationäre Geschwindigkeits-Messanlage aufgestellt hat. Das Ziel: Die Verkehrssicherheit verbessern.


Vier Standorte ermittelt

Die Projektgruppe hatte im Kasseler Stadtgebiet zunächst 24 mögliche Gefahrenstellen identifiziert und anhand des Prüfschemas genauer untersucht. Dabei wurden vier Stellen als geeignet für stationäre Geschwindigkeits-Messanlagen bewertet:

  1. Wilhelmshöher Allee (Höhe Sophienstraße; in beiden Fahrtrichtungen)schutzwürdige Örtlichkeit: mehrere Schulen, öffentliche Einrichtungen, Schulweg, Haltestellen ÖPNV; 12 Unfälle laut Unfall-Lagebild, dauerhafte Geschwindigkeitsüberschreitungen.
  2. Bundesstraße 83 (Höhe Lilienthalstraße; in beiden Fahrtrichtungen)
    schutzwürdige Örtlichkeit: Haltestelle ÖPNV, Schulweg; sieben Unfälle laut Unfall-Lagebild; dauerhafte sehr hohe Überschreitungsquote.
  3. Frankfurter Straße (Höhe Horst-Dieter-Jordan-Straße; stadteinwärts)
    schutzwürdige Örtlichkeit: Haltestelle ÖPNV, Schulweg; 14 Unfälle laut Unfall-Lagebild; dauerhafte Überschreitungen.
  4. Steinweg (wechselnde Fahrtrichtungen)
    schutzwürdige Örtlichkeit: mehrere öffentliche Einrichtungen, hohes Fußgängeraufkommen; acht Unfälle laut Unfall-Lagebild; dauerhafte Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Innerhalb der ersten neun Wochen wurden mehr als 3,3 Millionen Fahrzeuge von den Anlagen gezählt. Dabei wurden insgesamt 46.655 Fahrzeuge gemessen, die schneller als die erlaubten 50 km/h gefahren sind.

Unrühmlicher Spitzenreiter war ein Autofahrer, der an der Anlage an der B 83  (Fahrtrichtung stadteinwärts) mit 119 km/h gemessen wurde. Erlaubt sind dort 50 km/h. Die Messanlage steht kurz vor einer Bushaltestelle und der Ampel-Kreuzung B 83/Lilienthalstraße. An den anderen Messanlagen waren die „Spitzenreiter“ nicht viel langsamer unterwegs: Die gemessenen Höchstgeschwindigkeiten betrugen dort zwischen 82 km/h (Wilhelmshöher Allee, stadtauswärts) und 101 km/h (Frankfurter Straße, stadteinwärts).


Konzept für Standort-Auswahl erarbeitet

Die dauerhafte Überwachung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ist eines der wirksamsten Instrumente, um die Verkehrssicherheit an diesen besonderen Gefahrenstellen nachhaltig zu erhöhen. Die Geschwindigkeits-Messanlagen arbeiten laserbasiert und entsprechen der neuesten Technik. Zuständig für den Betrieb der Anlagen, deren Wartung und die Auswertung der festgestellten Verstöße sind ausschließlich besonders geschulte Beschäftigte des städtischen Ordnungsamtes.

Geschwindigkeits-Messanlage am Steinweg in Kassel; © Stadt Kassel


Prüfschema mit sechs Schritten

Ermittelt wurden die vier Standorte anhand eines umfangreichen Prüfschemas, das von einer Projektgruppe hierfür entwickelt wurde. An der Projektgruppe beteiligt waren neben dem Ordnungsamt auch das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt, das Personal-und Organisationsamt, das Revisionsamt, der Fachbereich Zentrale Bußgeldstelle des Regierungspräsidiums Kassel sowie das Polizeipräsidium Nordhessen und die Polizeiakademie Wiesbaden. Die zu beachtenden Vorgaben sind in einem Erlass des hessischen Ministeriums des Innern und für Sport geregelt.

  1. Auswertung des örtlichen Unfall-Lagebildes
    Die Polizei wertete das sogenannte Verkehrsunfall-Lagebild der vergangenen Jahre aus. Dabei wurden Unfälle berücksichtigt, bei denen eine überhöhte Geschwindigkeit ursächlich war. Bei der Bewertung waren auch die Häufigkeit und Schwere der Unfälle ein Beurteilungskriterium.
  2. Prüfung, ob der Erlass den Standort zulässt
    Vom Ordnungsamt wurde geprüft, ob ein potentieller Standort grundsätzlich die Vorgaben des ministeriellen Erlasses erfüllt. Dies ist zum Beispiel bei besonders schutzwürdigen Örtlichkeiten wie Fußgängerüberwegen und Bushaltestellen der Fall. Aber auch in besonders schutzwürdigen Zonen wie in der Nähe von Schulen, Kindertagesstätten, Seniorenanlagen und Krankenhäusern.
  3. Fachliche Bewertung
    Die Polizei, das Ordnungsamt sowie das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt bewerteten, wie gefährlich die Situation nach ihren jeweiligen fachspezifischen Erkenntnissen ist. Dabei flossen die Beschwerdelage (Ortsbeiräte, Bürger) ebenso ein, wie Erkenntnisse aus der täglichen Arbeit der Fachämter.
  4. Statistische Messungen
    Es wurden für einen längeren Zeitraum – zirka vier Wochen - statistische Messungen vorgenommen. Dabei wurde einerseits erhoben, wie viele Fahrzeuge die Messstelle innerhalb von 24 Stunden passiert haben, andererseits aber auch, wie schnell und um welche Uhrzeit diese gefahren sind. So ließ sich erkennen, ob sich Geschwindigkeitsverstöße nur zu bestimmen Tageszeiten häufen, oder ob über den ganzen Tag hinweg zu schnell gefahren wird.
  5. Eignung für stationäre Anlagen prüfen
    Stationäre Messanlagen kommen nur dann in Frage, wenn keine anderen Maßnahmen geeignet sind, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Dies könnten  mobile Geschwindigkeitsmessungen sein, wenn Tempo-Überschreitungen immer nur zu bestimmten Tageszeiten festgestellt werden. Geprüft wurde auch, ob  bauliche Veränderungen an der Straße möglich sind, die die Autofahrer dazu bringen, langsamer zu fahren.
  6. Anhörung der Polizeiakademie
    Abschließend wurde für einen so herausgefilterten Standort die Polizeiakademie Wiesbaden angehört. Diese gab für jeden Standort eine eigene Stellungnahme ab.


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