Klimaschutz: Fahrradfahren in Kassel soll noch attraktiver werden

Wie kann Fahrradfahren noch attraktiver gemacht werden, damit mehr Menschen mit dem Rad statt dem Auto fahren, weniger klimaschädliches Kohlendioxid verursacht und damit die Umwelt geschützt wird? Um Antworten auf diese Frage zu finden, erstellt die Stadt Kassel ein Radverkehrskonzept als Teil ihres integrierten Klimaschutzkonzeptes.

Fahrradweg-Schild; © Stadt Kassel; Foto: Happel-Emrich

Die Stadt Kassel wird in den kommenden Monaten eine Gesamtstrategie für den Radverkehr sowie konkrete Maßnahmen erarbeiten, wie sie das Fahrradfahren in Kassel noch attraktiver machen kann. Das Radverkehrskonzept wird Bestandteil des Kasseler Klimaschutzkonzeptes und wird von der Bundesregierung mit Geld aus dem Programm "Nationale Klimaschutz-Initiative" gefördert. Ziel ist es, durch einen attraktiven Radverkehr die Auswirkungen des Verkehrs auf Menschen und Umwelt zu minimieren und die Lebensqualität in Kassel zu erhöhen.

Stadtbaura Christof Nolda im Gespräch; © Stadt Kassel; Foto: Soremski

„Wir wollen eine breite öffentliche Diskussion darüber führen, wie die Stadt Kassel die Infrastruktur für Fahrradfahrer in den kommenden Jahren verbessern kann“, erklärt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda. Die politischen Gremien der Stadt sollen dabei ebenso einbezogen werden, wie relevante Akteure – etwa der Arbeitskreis Radverkehr und das Fachforum Mobilität. An dem Prozess beteiligt werden auch interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Kinder und Jugendliche, für die es spezielle Angebote geben wird. Nolda: „Wir wollen offen diskutieren und eine breite Zustimmung finden“.

In einem ersten Schritt nehmen von der Stadt beauftragte Planungsbüros die vorhandene Radverkehrs-Infrastruktur in Kassel genau unter die Lupe. Sie sollen vor allem vorhandene Schwachstellen aufspüren und Vorschläge erarbeiten, wie dort die Situation für Radfahrer verbessert werden kann.

Im Bürgerdialog
Im April kommenden Jahres lädt die Stadt die Bürgerinnen und Bürger ein darüber zu diskutieren, wie der Radverkehr in Kassel gefördert und attraktiver gemacht werden kann. Im Frühjahr bietet die Stadt dann eine Radtour auf ausgewählten Strecken an, um sich vor Ort ein Bild von der Radverkehrs-Infrastruktur zu machen. 

Im August 2017 sollen die Ergebnisse des Prozesses öffentlich vorgestellt werden. Anschließend soll das Stadtparlament über das Radverkehrskonzept beschließen.

grüne Fahrradampel; © Stadt Kassel; Foto: Weber-Fotografie

Mehr Radverkehr – weniger CO2

Um das Klima zu schützen, muss der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) deutlich reduziert werden. Im Bereich des Verkehrs kommt dabei dem Radverkehr eine große Bedeutung zu. Gelingt es, dass die Einwohnerinnen und Einwohner Kassels künftig mehr Wege mit dem Fahrrad zurücklegen, fahren weniger Autos und der CO2-Ausstoß wird reduziert. Daher ist im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Kassel vorgesehen, den Anteil des Radverkehrs am so genannten Modal Split bis 2030 von jetzt 9 auf dann 11 bis 14 Prozent zu erhöhen. Der Modal Split beschreibt, welchen Anteil die einzelnen Verkehrsarten an der Gesamtzahl der zurückgelegten Wege haben.

Eine nachhaltige Verkehrsplanung betrachtet sowohl heutige, als auch künftige Trends und deren Anforderungen an die Infrastruktur", erklärt Stadtbaurat Nolda. "Daraus lassen sich dann Rückschlüsse ziehen, wie wir die Infrastruktur gestalten, Radverkehr organisieren und die Nutzung des Fahrrades fördern."


Verkehrsentwicklungsplan und integriertes Klimaschutzkonzept

Die Stadtverordnetenversammlung hat im November 2012 das integrierte Klimaschutzkonzept beschlossen. Dieses stellt heraus, dass es ein großes CO2-Minderungspotential gibt, indem man Leistungen des Kraftfahrzeugverkehrs auf den Radverkehr verlagert. 

Der im Jahr 2015 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Verkehrsentwicklungsplan enthält Maßnahmen-Vorschläge, wie der Anteil des Radverkehrs am Modal Split erhöht werden kann. 

Das jetzt in Auftrag gegebene Radverkehrskonzept soll die im Verkehrsentwicklungsplan enthaltenen Maßnahmen weiter konkretisieren. Als „Klimaschutz-Teilkonzept zur Förderung des Radverkehrs“ wird die Erarbeitung vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutz-Initiative mit knapp 67.500  gefördert. Die Gesamtkosten für das Klimaschutz-Teilkonzept belaufen sich auf zirka 139.000 Euro. 

Mehr Informationen


Radverkehr in Kassel

Bei jeder Straßenbaumaßnahme wird der Radverkehr gleichberechtigt zum Kfz-Verkehr, Öffentlichen Nahverkehr (Tram und Bus) und Fußgängerverkehr berücksichtigt. Er ist genereller Bestandteil einer jeden Planung.

In den vergangenen Jahren wurden unter anderem folgende Radverkehrs-Anlagen neu angelegt:

  • Kreuzung Altmarkt (2015): Die Kreuzung wurde grundlegend modernisiert. Dabei wurden auch Radwege und Radfurten angelegt, so dass Radfahrer die Kreuzung nun oberirdisch auf eigenen Fahrwegen  überqueren können.
  • Goethe- und Germaniastraße (2013): Auf etwa 750 Metern Länge zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Herkulesstraße wurden Fahrrad-Schutzstreifen beziehungsweise eine Fußgängerzone, die auch Radler befahren dürfen,  angelegt. Der Umbau erhielt eine Auszeichnung im Rahmen Deutschen Städtebaupreis.
  • Friedrich-Ebert-Straße (2015): Bei dem Umbau zwischen Ständeplatz und Goethestraße wurden beidseitig Radfahrstreifen angelegt. Die Modernisierung der Friedrich-Ebert-Straße wurde mit dem Deutschen Verkehrsplanungspreis ausgezeichnet.
  • Loßbergstraße/Zentgrafenstraße (2013): Beim grundlegenden Umbau dieser Straßen wurden zwischen Bruchstraße und Teichstraße/Heßbergstraße Radwege und Radfahrstreifen integriert.
  • Auedamm (2013/14): Zwischen Orangerie und Rondell wurde am Hiroshima-Ufer ein von Fußgängern getrennter Zwei-Richtungs-Radweg gebaut. Der gemeinsame Geh- und Radweg zwischen Drahtbrücke und Rondell wurde erneuert, der Steg am Rondell und die Brücke wurden erneuert und verbreitert.
  • Lossebrücke (2013): Die Lossebrücke als Fußweg- und Radverbindung zwischen Kassel und Niestetal wurde verbreitert.
  • Fernradweg R1 (2015): Auf etwa fünf Kilometern Länge wurde der Fernradweg von Wolfsanger bis zur Stadtgrenze auf drei Meter Breite ausgebaut und so hergerichtet, dass er ganzjährig befahrbar ist.
  • Kohlenstraße/Wittrockstraße (2013):  Im Zuge der Erneuerung der Fahrbahn wurden dort Schutzstreifen für Fahrradfahrer markiert.
  • Derzeit wird die Kreuzung Schönfelder Straße/Ludwig-Mond-Straße/Heinrich-Heine-Straße grundlegend modernisiert. Dabei entstehen unter anderem baulich getrennte Geh- und Radwege sowie Radfahrstreifen. Die Bauarbeiten sollen im  Mai 2017 beendet sein.

 

Weitere geplante Maßnahmen zur Verbesserung der Radverkehrs-Infrastruktur sind:

  • Fahrradstraße Fiedlerstraße: Diese soll im Frühjahr 2017 auf 1,6 Kilometern Länge zwischen Hegelsbergstraße und Mombachstraße eingerichtet werden. Im Bereich der Eisenschmiede wurde die Brücke saniert und so umgebaut, dass Fahrradfahrer die Eisenschmiede sicherer überqueren können.
  • Fahrradstraße Schillerstraße: Auf etwa 700 Metern Länge zwischen Clara-Immerwahr-Straße und Philippstraße soll so eine radfahrerfreundliche Verbindung zwischen Rothenditmold und der Innenstadt geschaffen werden.
  • Radstätte am Radweg Deutsche Einheit: Anlässlich des 25. Jahrestages der Deutschen Einheit wurde 2015 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in Zusammenarbeit mit den betroffenen Ländern der Radweg Deutsche Einheit ins Leben gerufen. Dieser verläuft von der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn als Symbol des Zusammenwachsens der deutsch-deutschen Verkehrsinfrastruktur zum heutigen Regierungssitz Berlin. Im Mai 2016 wurde der Radweg Deutsche Einheit mit einer Streckenlänge von rund 1.100 Kilometern auf bestehenden Radwegeverbindungen ausgeschildert. In Kassel verläuft er auf dem Fernradweg R1. Entlang des Radweges entstehen Radstätten, die zur Rast oder Erkundung einladen und an denen sich die Radfahrenden über die Umgebung – also Kassel - informieren können. Bereits im Februar 2016 wurde von Seiten der Stadt Kassel an das Hessische Ministerium für Wirtschaft Energie, Verkehr und Landesentwicklung die Unterstützung des Bundesprojektes mit der Errichtung einer Radstätte innerhalb des Kasseler Stadtgebietes zugesagt.
  • Druseltalstraße: Zwischen Eugen-Richter-Straße und Bertha-von Suttner-Straße sollen beidseits der Fahrbahn Radfahrstreifen angelegt werden, um die Sicherheit für Fahrradfahrer zu erhöhen. Der Umbau des 250 Meter langen Abschnitts, bei dem die  Situation für alle Verkehrsarten verbessert werden soll, erfolgt voraussichtlich im Jahr 2018.
Stadtradeln Logo; © Klimabündnis

Öffentlichkeitsarbeit für das Radfahren

Nicht nur baulich, auch ideell fördert die Stadt Kassel das Fahrradfahren sowie das Bewusstsein für diese umweltfreundliche und gesunde Fortbewegungsart. 

So haben im September  dieses Jahres  55 Teams mit 547 Teilnehmern an der  bundesweiten Aktion "Stadtradeln" teilgenommen. Sie radelten zwei Mal um den Äquator (108.341 Kilometer) und sparten damit mehr als 15 Tonnen Kohlendioxid ein. Außerdem beteiligt sich die Stadt am Radforum Region Kassel sowie an Veranstaltungen wie der Bike Expo und dem Sattelfest.

Immer mehr Radfahrer nutzen die Meldeplattform Radverkehr, um der Stadtverwaltung Hinweise aus dem Kasseler Stadtgebiet über Schlaglöcher, Scherben auf den Radwegen, fehlende Wegweiser, fehlendes Radverkehrsangebot etc. zu geben. Waren es im Jahr 2015 60 Meldungen so wurden 2016 bislang 144 Eingaben registriert. Die Stadt Kassel bietet diesen hessenweiten Service seit 2012 an. 

Helfen Sie mit, Radwege in Kassel zu verbessern

Zahlen, Daten, Fakten zum Radverkehr in Kassel

  • 60 Prozent der Straßen sind Tempo 30-Zonen: der Radverkehr fährt gemeinsam mit dem Kfz-Verkehr (flächendeckend in den Wohngebieten)
  • 260 Kilometer ausgewiesenes Fahrradnetz
  • 12 städtische Fahrradrouten plus Entdeckerrunde
  • 8 touristische regionale Radrouten
  • etwa 1.300 Fahrradbügel im gesamten Stadtgebiet
  • 59 Konradstationen
  • 500 Konräder (davon 350 im Kasseler Stadtgebiet, die restlichen zur Winterwartung)
  • 2 Fahrradstraßen Menzelstraße und Blücherstraße/Sternstraße (weitere in Planung)
  • insgesamt 259 Fußgängersignalgeber mit Kombischeibe Fußgänger/Radverkehr
  • 71 Rad-Signalgeber
     
     

 

Veröffentlicht am:   13. 12. 2016  

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