Zum 75. Geburtstag von Hans Eichel - "Politiker mit Sachverstand und Weitblick“

Mit ausladender Geste unterstreicht der Oberbürgermeister Passagen seiner Rede; © Stadt Kassel
Hans Eichel bei einem Empfang für DDR-Journalisten am 17. Mai 1990.

„Er ist einer der maßgeblichen Architekten des weltoffenen und modernen Kassels. Von seiner Arbeit profitieren unsere Stadt und unser Land noch heute.“ Mit diesen Worten hat Oberbürgermeister Bertram Hilgen das Wirken von Hans Eichel gewürdigt. Hilgens Amtsvorgänger (1975 bis 1991), der anschließend Hessischer Ministerpräsident (1991 bis 1999) und Bundesfinanzminister (1999 bis 2005) war, feiert am Samstag, 24. Dezember, seinen 75. Geburtstag. Hilgen: „Hans Eichels herausragendes politisches Schaffen ist davon geprägt, dass er die Herausforderungen der Zeit erkannte und in den zentralen Fragen seines politischen Wirkens wichtige Weichenstellungen für die Zukunft getroffen hat.“

In Kassel geboren und aufgewachsen, legte Eichel sein Abitur am Wilhelmsgymnasium ab und kehrte nach seinem Lehreramtsstudium zunächst hierher zurück. Sehr früh begann dann seine einzigartige politische Karriere, die ihn mit 33 Jahren zum damals jüngsten hauptamtlichen Oberbürgermeister in der Bundesrepublik machte. In diesem Amt wie in seiner gesamten Laufbahn hat sich Eichel den Ruf eines kenntnisreichen und sachorientierten Politikers erworben, stellt Hilgen fest. „Seine Erfolge sind insbesondere auf diese Verbindung von Wissen und Weitblick zurückzuführen.“

Mit viel Herzblut hat sich Eichel für die Integration von Zuwanderern eingesetzt, erklärt Hilgen. So konnte in Eichels Amtszeit der Kasseler Ausländerbeirat als einer der ersten in der Bundesrepublik seine Arbeit aufnehmen. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau war ihm ebenfalls sehr wichtig: Er ernannte die erste kommunale Frauenbeauftragte in Hessen und führte einen paritätisch besetzten Magistrat an – ein Prinzip, das Hans Eichel auch später für sein Landeskabinett in Wiesbaden umsetzte. Auch die Gründung des Seniorenbeirats der Stadt Kassel verdient besondere Erwähnung. Hilgen: „Vielfach entwickelte Hans Eichel dabei auf kommunaler Ebene Modelle, die später Eingang in Landes- oder Bundespolitik fanden.“

Mit den Städtepartnerschaften mit Jaroslawl in der damaligen Sowjetunion (1988) und mit Arnstadt in Thüringen (1989) – zu einer Zeit, als die Mauer die beiden deutschen Staaten noch teilte – habe Eichel als Oberbürgermeister Zeichen für eine Verständigung und Öffnung über noch bestehende Block-Grenzen hinweg gesetzt.

Eichel bei einem Telefonat an seinem Schreibtisch; © Stadt Kassel Telefonsprechstunde des OB am 8. März 1984.

Erste rot-grüne Kooperation in einer hessischen Stadt

Politisch neue und zukunftsweisende Wege sei Eichel gegangen, als er 1981 in Kassel die erste rot-grüne Kooperation in einer hessischen Stadt schmiedete. Von 1991 bis 1999 führte Eichel dann selbst als Hessischer Ministerpräsident eine rot-grüne Landesregierung über zwei Wahlperioden. Im Land hat er damit nach Georg-August Zinn und Holger Börner ein weiteres Kapitel in der Reihe hessischer Ministerpräsidenten aus Kassel geschrieben, sagt Oberbürgermeister Hilgen.

Für Kassel habe Hans Eichel als Oberbürgermeister starke Impulse für die Stadtentwicklung gesetzt. So sei die Bundesgartenschau 1981 ein wichtiger Beitrag für die nachhaltige Entwicklung Kassels gewesen. Mit dem beeindruckenden Buga-Gelände sei ein unvergleichlicher Natur- und Erholungsraum entstanden. Die Schau habe gleichzeitig Maßstäbe beim Thema Ökologie gesetzt.

Zudem habe Eichel mit großer Durchsetzungskraft Ziele verfolgt, die die Basis für die heutige dynamische Entwicklung Kassels gelegt hätten. Dazu gehöre exemplarisch die Standortentscheidung für den Campus der Universität Kassel am zentral gelegenen Holländischen Platz. Auch den Bau des ICE-Fernbahnhofes Kassel-Bad Wilhelmshöhe habe er maßgeblich beeinflusst.

Gleiche Bildungschancen für alle Kinder zu schaffen sei für Hans Eichel eine besondere Herzensangelegenheit gewesen. Dafür stehe unter anderem die Entwicklung von Ganztagsschulen, insbesondere in den Stadtteilen im Osten Kassels.

In die Amtszeit von Oberbürgermeister Eichel gehörte auch die Verankerung der Weltkunstausstellung documenta in der Stadtgesellschaft. Symbolhaft stehe dafür das Beuys-Projekt „7000 Eichen“. Zu dessen Beginn habe es zwar noch viele Proteste gegen die Basaltblöcke auf dem Friedrichsplatz gegeben, am Ende habe das Kunstwerk aber eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung gefunden.

Hans Eichel ist an der Entwicklung seiner Heimatstadt auch heute noch stark interessiert und vielerorts im gesellschaftlichen Leben anzutreffen – zusammen mit seiner Frau Gabriele Wolff-Eichel als Vorsitzende der Freunde des Stadtmuseums, dessen Gründung ebenfalls in seine Zeit als Oberbürgermeister fällt.

„Bis heute greife ich gern auf seinen Rat zurück, der unserer Stadt noch lange zugutekommen möge“, schloss Hilgen und wünschte Hans Eichel zu seinem 75. Geburtstag alles Gute, Gesundheit und Glück.

Veröffentlicht am:   23. 12. 2016  


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