Staffelstabübergabe im Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Kassel

Nach dem Amtseid: Stadtverornetenvorsteherin Petra Friedrich, Christian Geselle und Bertram Hilgen; © Stadt Kassel; Foto: Soremski
Nach dem Amtseid: Stadtverornetenvorsteherin Petra Friedrich, Christian Geselle und Bertram Hilgen

"Ich schwöre, dass ich das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und die Verfassung des Landes Hessen sowie alle in Hessen geltenden Gesetze wahren und meine Pflichten gewissenhaft und unparteiisch erfüllen werde". Mit diesen Worten - ergänzt um den Zusatz  "so wahr mir Gott helfe" - hat der neue Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle am Montag im Kongress Palais seinen Amtseid geleistet.

Gleichzeitig verabschiedeten die rund 600 geladenen Gäste seinen Amtsvorgänger Bertram, Hilgen mit Standing Ovations. "Ab heute um 24 Uhr kann ich Kommunalpolitik nicht mehr lesen, nicht mehr schreiben und nicht mehr buchstabieren", vollzog er zum Eintritt in den Ruhestand nach einer langen politischen Laufbahn und zwölf Jahren als Stadtoberhaupt in typischer Hilgen-Art einen klaren Schnitt.

Eingangs hatte Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich Christian Geselle per Handschlag in das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Kassel eingeführt und verpflichtet. In Ihrer Gratulation hob sie die Notwendigkeit hervor, sich denjenigen Menschen besonders zu widmen, bei denen von Kassels Aufwärtsentwicklung der vergangenen Jahre noch nichts angekommen sei. "Der Oberbürgermeister trägt Verantwortung für das, was getan wird, und für das, was nicht getan wird", so Friedrich, die Geselle die gute Zusammenarbeit der Stadtverordnetenversammlung anbot. Der künftige Oberbürgermeister versprach, sich seinem Wahlkampfmotto gemäß für Kassel als das beste Zuhause einzusetzen. Als Beispiele für politische Projekte nannte er unter anderem, mehr Wohnraum zu schaffen, Familienfreundlichkeit, Kassel als Sportstadt weiterzuentwickeln, die Rathaussanierung in den kommenden sechs Jahren und dass die Stadt Kulturhauptstadt Europas 2025 werde. Getreu einem Ausspruch Friedrich des Großen wolle er  "der erste Diener meiner Heimatstadt sein.“

Der neue Oberbürgermeister (offiziell ab 22. Juli) dankte den Wählerinnen und Wählern für den Vertrauensvorschuss, den Beschäftigten der Stadtverwaltung und insbesondere seinen bisherigen Kolleginnen und Kollegen im Dezernat II sowie seinem Wahlkampfteam und seiner Familie. Als Förderer und Unterstützer aus der Kommunalpolitik hob er stellvertretend Uwe Frankenberger und die schon verstorbene Ellen Lappöhn hervor. Prägend für ihn gewesen seien zudem in seiner zehnjährigen Dienstzeit im Polizeidienst Volker Pieper, heute Dienststellenleiter in Wolfhagen, und in seinem juristischen Studium Dirk Schönstädt, heute Präsident des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes.

Der finanzminister hängt dem Oberbürgermeister den Orden um.; © Stadt Kassel; Foto: Soremski Hessischer Verdienstorden für den scheidenden Oberbürgermeister, ausgehändigt durch Finanzminister Dr. Thomas Schäfer

Standing Ovations zum Abschied von Bertram Hilgen

Redner waren neben den beiden Hauptpersonen des Abends und der Stadtverordnetenvorsteherin Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, welcher Oberbürgermeister Hilgen den Hessischen Verdienstorden im Namen des Ministerpräsidenten überreichte, Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Uli Maly als Vizepräsident des Deutschen Städtetages sowie Personalratsvorsitzende Fazilet Karakas-Blutte. Sie gingen auf die disziplinierte, sachkundige, kompromissfähige und verlässliche Art Hilgens und seine Verdienste - sowie seine Vorliebe für Schokolade - ein. Hilgens Amtszeit war von einem beispiellosen Aufschwung Kassels in einer prosperierenden Bundesrepublik geprägt, für den der starke Abbau der Arbeitslosigkeit exemplarisch ist. Zahlreiche Entscheidungen und Projekte vor Ort haben zur Dynamik beigetragen. In Hilgens Ära fielen etwa die Anerkennung des Bergparks als UNESCO-Weltkulturerbe, der Kassel-Airport, die Erschließung des großen Gewerbegebietes Langes Feld, die Kooperation mit der Universität oder der Promenadenweg an der Fulda. Er habe das Selbstwertgefühl der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger verändert. "Du hast dich um die Stadt verdient gemacht, wir sind dir zu Dank verpflichtet und verneigen uns vor deiner persönlichen Leistung", brachte es sein Nachfolger auf den Punkt.


Dankrede des Oberbürgermeisters: "Wir alle sind die Stadt"

Hilgen selbst schlug in seinem Dank einen großen Bogen von seinen Kolleginnen und Kollegen sowie den Beschäftigten im Rathaus, dem Kassel-Beirat, der großen und städtischen Politik über Institutionen wie Polizei, Justiz und Universität bis hin zu den Vereinen, Kirchen und Organisationen der Stadtgesellschaft und den rund 30.000 Ehrenamtlichen in Kassel. Namentlich nannte er seine Sekretärinnen Silke Hast und Dorothea Raabe, seine Fahrer Martin Norden und Frank Rohmann, seinen Büro- und Hauptamtsleiter Manfred Merz samt Team, die Amtsleiter Dr. Joachim Benedix, Dorothée Rhiemeier, und Axel Jäger, Stadträtin Anne Janz, Kassels Landrat Uwe Schmidt, die Bundestagesabgeordnete Ulrike Gottschalck und den ehemaligen und den jetzigen Universitätspräsidenten, Prof. Rolf-Dieter Postlep und Prof. Reiner Finkeldey.

Neben "seiner" SPD-Fraktion dankte er ausdrücklich der seine ganze Amtszeit über sich in der Minderheitenposition befindenden CDU: Ohne sie wären weder der Kassel Airport noch das Gewerbegebiet Langes Feld zustande gekommen. Ebenso hob er die Zusammenarbeit mit der hessischen Landesregierung hervor, die seine gesamte OB-Ära über von der CDU geführt wurde: "Das Land hat Kassel gut behandelt", sagte er im Blick vor allem auf die Entwicklung der Museumslandschaft und den Hessentag 2013.

"Wir alle sind die Stadt", rief Hilgen den Zuhörern zu und schloss mit einem von einer großen deutschen Wochenzeitung geprägten Satz: " 'Ab nach Kassel' ist keine Drohung mehr, 'Ab nach Kassel' ist eine Verheißung."


Bisheriger Kämmerer wird neues Kasseler Stadtoberhaupt

Bei der Oberbürgermeister-Direktwahl im März  hatte sich Geselle bereits im ersten Wahlgang mit 56,6 Prozent der Stimmen gegen fünf Mitbewerber durchgesetzt.

Der 1976 geborene Volljurist und Dipl.-Verwaltungswirt ist seit 2015 Stadtkämmerer. Beruflich war er - nach seinem Polizeidienst in Frankfurt/Main und einem Jurastudium in Göttingen - im Höheren Verwaltungsdienst des Landes Hessen in Kassel tätig. 2006 wurde er erstmals in die Kasseler Stadtverordnetenversammlung gewählt. In der SPD-Fraktion war er zunächst stellvertretender Vorsitzender und vom Jahr 2013 an Vorsitzender. 

Geselle lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im Kasseler Stadtteil Niederzwehren.  In seiner Freizeit kann man ihn unter anderem beim Laufen in und um Kassel begegnen. Darüber hinaus liest er gern und interessiert sich für Geschichte.

Die Wahlperiode eines Oberbürgermeisters beträgt in Hessen sechs Jahre. Er spricht für die Stadt und ist Vorsitzender des Magistrates als Verwaltungsbehörde. Der Oberbürgermeister leitet den Geschäftsgang der gesamten Verwaltung und ist - mit Ausnahme der anderen Magistratsmitglieder - Dienstvorgesetzter der Beschäftigten der Stadtverwaltung. Außerdem führt er ein eigenes Dezernat (Geschäftsbereich). Ihm zur Seite stehen weitere Dezernenten (beispielsweise Bürgermeister und Stadtkämmerer), denen andere Bereiche der Stadtverwaltung zugeordnet sind

Im Rathaus gibt es nach dem Ausscheiden von Bertram Hilgen neben Geselle für eine Übergangszeit nur noch zwei weitere Dezernenten, Stadträtin Anne Janz und Stadtbaurat Christof Nolda (beide Bündnis90/Die Grünen). Geselle selbst wird das Amt des Stadtkämmerers in Personalunion weiterführen.

In den kommenden Monaten ist in der Stadtverordnetenversammlung die Wahl weiterer Dezernentinnen und Dezernenten vorgesehen.

Veröffentlicht am:   28. 06. 2017  


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