Platz für 2000 Arten: Pflege der Streuobstwiesen in Kassel trägt Früchte

Blick in eine winterliche Streuobstwiese.; © Stadt Kassel; Foto: Volker Lange
Streuobstwiesen sorgen als innerstädtische Biotope für mehr Biodiversität in Kassel.

Das Umwelt- und Gartenamt der Stadt Kassel engagiert sich seit vielen Jahren für die Pflege der Streuobstwiesen. Viele der früher teilweise verwilderten und schlecht zugänglichen Flächen präsentieren sich nun in einem deutlich besseren Zustand. Die Obstbäume wurden zum Beispiel von Konkurrenzgehölzen befreit und haben nun Licht und Luft für ein gesundes Wachstum und eine bessere Entwicklung der Früchte. Alte Obstbäume wurden einem Obstbaumschnitt unterzogen, junge Bäume gepflanzt.

Konkret sind in diesem Winter wieder Pflegemaßnahmen an der Streuobstwiese Daspel vorgesehen, für die auch der Ortsbeirat Harleshausen Mittel bereitgestellt hat. Der Daspel ist eine der größten städtischen Streuobstwiesen mit über 100 Bäumen. Regelmäßig werden hier junge Bäume nachgepflanzt, um den wertvollen Baumbestand zu erhalten und weiter zu entwickeln. Ziel der Schnittmaßnahmen ist nicht ein optimaler Ertrag, sondern der Erhalt der Bäume unter Berücksichtigung ihres typischen Habitus. Totes Holz wird nur entfernt, wenn es eine unmittelbare Gefahr darstellt, da es im Biotop Obstwiese auch eine Lebensgrundlage darstellt.

Nachfrage steigt ständig

Auch wenn in diesem Jahr die Ernte wegen der starken Spätfröste während der Blütezeit sehr schlecht ausfiel, haben sich die Bäume grundsätzlich gut entwickelt. Die eher feuchte Witterung hat das Anwachsen neu gepflanzter Bäume erleichtert und bei älteren Bäumen zu einem guten Blütenansatz geführt.

Die Nachfrage von interessierten Bürgern nach frischem Obst von städtischen Obstwiesen steigt ständig: während früher viele Früchte ungenutzt von den Bäumen fielen, werden die Streuobstbestände inzwischen fast vollständig abgeerntet. Die städtischen Obstwiesen sind frei zugänglich und dürfen von Jedermann zur privaten Nutzung abgeerntet werden. „Wir freuen uns, dass die Menschen den Wert des frischen, ungespritzten Obstes wieder erkennen und dabei auch nicht ganz makellose Früchte akzeptieren“, sagt Stadtbaurat Christof Nolda.

Alle Streuobstwiesen werden nach und nach kartiert und die Art der Obstbäume sowie die einzelnen Sorten festgehalten. Unbekannte Sorten werden von Experten bestimmt. Auf diese Weise wird es im Laufe vieler Jahre möglich sein, einen genauen Überblick über alle Obstbäume und Sorten im Stadtgebiet zu erhalten und damit eine wichtige Grundlage für die nachhaltige Nutzung des Obstes zu schaffen. Neben den Klassikern wie Äpfeln und Birnen wachsen auf vielen Flächen auch Süß- und Sauerkirschen, Zwetschgen, Pflaumen, Walnüsse und Haselnüsse. Sogar seltene Obstsorten wie Quitten, Mispeln oder Esskastanien gibt es.

Die Esskastanie oder Marone wurde aktuell zum Baum des Jahres 2018 gewählt. Diese bisher eher im Weinbauklima angebaute Frucht kann aufgrund des inzwischen wärmeren Klimas auch in Nordhessen kultiviert werden. Für einen guten Fruchtertrag ist jedoch die Verwendung von Sorten der Esskastanie erforderlich, die auf Bestellung in den Baumschulen erhältlich sind.

Hintergrund:

Gemäß der Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“, die von der Stadtverordnetenversammlung am 28. Juni 2010 beschlossen wurde, sehen die unterzeichnenden Kommunen angesichts weltweit gefährdeter Ökosysteme die Notwendigkeit, die biologische Vielfalt vor Ort gezielt zu stärken. Angesichts der immer intensiver besiedelten Städte sind dabei Biotope im Stadtraum besonders wertvoll. Eine hohe Bedeutung für den Naturschutz haben deshalb die Streuobstwiesen in Kassel, sie bieten Lebensraum für bis zu 2.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität.

Als traditioneller Bestandteil der Kulturlandschaft wird mit ihren alten Obstsorten auch das Genpotential von Äpfeln, Birnen und anderem Obst erhalten.

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Veröffentlicht am:   30. 11. 2017  


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