Jahresempfang der Stadt Kassel


2017 war ein Jahr der Rekorde für Kassel

Kassel ist auf Rekordkurs: Im Jahr 2017 kamen so viele Gäste wie nie zuvor in die Stadt. Die Erträge aus Gewerbesteuer sowie Einkommenssteuer sind so hoch wie nie, und noch nie hat die Stadt Kassel auf einen Schlag so viele Schulden abgetragen wie im vergangenen Jahr.

Diese historischen Höchstwerte hat Oberbürgermeister Christian Geselle beim Neujahrsempfang der Stadt Kassel am 20. Januar 2018 im Rathaus vermeldet.

Die Baumeister 2017
Während seiner Rede beim Neujahrsempfang würdigte Oberbürgermeister Geselle Menschen, die sich im vergangenen Jahr besonders um Kassel verdient gemacht haben. „Jeder einzelne von ihnen hat einen wesentlichen Beitrag für das Leben in unserer Stadt geleistet. Kurzum, sie sind Baumeister und helfen und begleiten uns mit großem Einsatz und beispielhaftem Engagement auf dem Weg zum besten Zuhause.“

 

 


Ein bundesweit strahlender Leuchtturm ist das Schülerforschungszentrum Nordhessen. Dort waren die beiden Schüler Hannah Kramer und Leon Kausch so erfolgreich, dass sie Landessieger beim Wettbewerb „Jugend forscht“ erhielten. Im Fachgebiet Biologie haben die Schülerin der Engelsburg und der Schüler der Elisabeth-Knipping-Schule mithilfe eines selbst gebauten Analysebootes die Regeneration der Wasserqualität des Bugasees untersucht. „Ihr Vorschlag, den See auszubaggern, um nährstoffreichen Boden zu entfernen und somit das Wachstum von Blaualgen einzudämmen, wurde im vergangenen Sommer vom Umwelt- und Gartenamt in einzelnen Strandbereichen teilweise umgesetzt.“



Rede des Oberbürgermeisters Christian Geselle



Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste,
ich begrüße Sie sehr herzlich zum Jahresempfang der Stadt Kassel – auch im Namen von Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich, den Kolleginnen und Kollegen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung sowie der Stadtverwaltung. Ich freue mich sehr, dass Sie meiner Einladung so zahlreich gefolgt sind. Besonders begrüßen möchte ich den Ministerpräsidenten des Landes Hessen, Volker Bouffier. Schön, dass Sie wieder den Weg nach Kassel gefunden haben und anschließend das Wort an uns richten.

Herzlichen Dank an Dark Vatter für den „hunnerdbrozentichen“ Auftakt. Wir freuen uns später auf eine Zugabe. Mein Dank gilt auch dem Blasorchester Oberzwehren für den musikalischen Auftakt und Empfang. Vielen Dank allen fleißigen Helferinnen und Helfern, den vielen Servicekräften, die sich um unser Wohl sorgen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unseres Gartenamts für die farblichen Akzente im Rathaus und des Jugendamtes für die Betreuung unserer jüngsten Gäste.

In den vergangenen zwölf Jahren hat Sie an dieser Stelle Bertram Hilgen begrüßt. Ich möchte es nicht versäumen, meinem geschätzten Vorgänger für seine geleistete Arbeit auch im Namen der Stadt noch einmal herzlich zu danken.
Es ist mir eine große Ehre und Freude, heute erstmals Ihr Gastgeber zu sein. Ich freue mich, dass so viele Bürger und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Justiz, Kirchen, Verbänden, Vereinen, Wohlfahrtsorganisationen und Bildungseinrichtungen in unser schönes Rathaus gekommen sind. Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich aufgrund der Vielzahl der zu nennenden Gäste auf eine namentliche Begrüßung verzichte. Seien Sie mir alle herzlich willkommen!

Meine Damen und Herren,
Sie haben es dem kurzen Eingangsfilm schon entnehmen können: Ich habe in der Schubkarre schwergewichtige Bausteine als Auszeichnungen für Menschen mitgebracht, die sich im vergangenen Jahr um unsere Stadt in hervorzuhebender Weise verdient gemacht haben. Jeder einzelne von ihnen hat einen wesentlichen Beitrag für das Leben in unserer Stadt geleistet. Kurzum, sie sind Baumeister und helfen und begleiten uns mit großem Einsatz und beispielhaftem Engagement auf dem Weg zum besten Zuhause.

Liebe Gäste,
was macht das beste Zuhause eigentlich aus? Zuhause ist Heimat, ist Lebensqualität, Geborgenheit, Stabilität, das sind Erinnerungen und Geschichte - und das ist Zukunft.

Dazu fällt mir ein Zitat des amerikanischen Informatikers Alan Kay ein: „Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet.“
Eben dies haben wir uns für Kassel vorgenommen. Die Zukunft unserer Stadt zu gestalten und für unsere Kinder und Kindeskinder zu sichern, sehe ich – mit aller Demut – als unsere Aufgabe an.

Vor 75 Jahren lag Kassel nach den schweren Bombenangriffen im Oktober 1943 in Trümmern. In diesem Jahr werden wir dieses dunklen und traurigen Kapitels unserer Stadt besonders gedenken. Die Ereignisse der Schicksalsnacht am 22. Oktober 1943 haben das Bild und die Entwicklung unserer Stadt verändert und durchdrungen. Sie haben das Leben der nachfolgenden Generationen bis heute beeinflusst und viele Familiengeschichten und Biografien nachhaltig geprägt.

„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern“, hat der französische Schriftsteller und Politiker, André Malraux, einmal gesagt. Auch deshalb ist eine Rückschau auf unsere Geschichte so wichtig.

Ein Teil dessen ist die Erinnerung an alte Schätze unserer Stadt. Ich bin zuversichtlich, dass uns dies mit dem erstmals geplanten Altstadtfest Mitte Juni auf besondere Weise gelingen wird. Ich freue mich, dass wir unsere Altstadt vom Königsplatz, über Druselturm, Martinskirche, Entenanger und Markthalle bis hin zum Rondell und dem Regierungspräsidium am Platz des ehemaligen Stadtschlosses in Szene setzen werden. Gemeinsam mit Ihnen und den Bürgerinnen und Bürgern unserer Region werden wir die Kasseler Altstadt und auch das Stadtfest wieder neu zu entdecken.



Meine Damen und Herren,
im vergangenen Jahr durften wir einen Ort neu entdecken, den ich als „zurückgewonnene Seele der Altstadt“ bezeichnen möchte: den Renthof. Im Jahr 1298 einst als Karmeliterkloster errichtet, stand dieser historische und sanierungsbedürftige Bau nach dem Auszug des Seniorenzentrums im Jahr 2013 zunächst leer.

Nach der liebevollen Sanierung durch die neuen Inhaber Uwe Kleinkauf, Kirstin Homburg-Kleinkauf und Gastronom Rainer Holzhauer wurde der Renthof zu einer echten Perle, einem neuen Lieblingsort für Gastlichkeit und einem ganz besonderen Aufenthaltsort. Jeder Gast des Renthofs spürt, mit wie viel Herzblut, welch liebevoller Hand und großem Geschick diesem faszinierenden, altehrwürdigen Gebäude neues Leben eingehaucht wurde.

Dieses neu entstandene Juwel neben der alten Brüderkirche ist nicht nur eine Bereicherung für die Menschen unserer Stadt, es ist auch ein weiterer Anziehungspunkt für unsere Gäste.

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen eine beachtliche Zahl nennen: Nach vorläufigen Erhebungen gab es im Jahr 2017 erstmals in der Geschichte unserer Stadt über eine Million Übernachtungen. Das zeigt, dass der Tourismus zu einem wesentlichen Faktor der überaus positiven Entwicklung in Kassel geworden ist.
Übrigens schlägt hierbei allein der im vergangenen Jahr neu eröffnete Campingplatz mit fast 20.000 Übernachtungen zu Buche.

Doch zurück zum neuen Renthof:
Liebe Kirstin Homburg-Kleinkauf, lieber Uwe Kleinkauf, lieber Rainer Holzhauer, ganz herzlichen Dank dafür, dass Sie unserer Stadt dieses wundervolle Geschenk gemacht, den Renthof bewahrt und zu neuem Leben erweckt haben. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes vorbildliche Baumeister.

Meine Damen und Herren,
nicht nur das Team des Renthofs, sondern unsere gesamte Stadt hat sich während der 100 Tage documenta im vergangenen Sommer einmal mehr als geübte und herzliche Gastgeberin gezeigt. Wir haben das internationale Leben rund um die bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst genossen und uns von Herzen über die vielen Gäste aus aller Welt gefreut.

Die documenta war sicher ein prägendes Thema des vergangenen Jahres. Sie hat Menschen und Medien im Zusammenhang mit Kassel am meisten beschäftigt. Denn die documenta 14 sorgte, schon allein künstlerisch betrachtet, für immens viel Gesprächs- und Diskussionsstoff. Sie wurde von Feuilletonisten gewürdigt und kritisiert. Für welche Sichtweise man sich auch immer entscheiden mag – die documenta wurde wahrgenommen. Und sie hat einmal mehr gezeigt, wie lebendig sie ist. Obwohl, oder gerade weil manche – sind es vielleicht Neider?- mitunter ihr Ende in Kassel herbeireden wollen.

Dass die documenta 14 letztlich mit einer finanziellen Krise zu Ende ging, stellte vor allem die Gesellschafter vor eine große Herausforderung. Es ging um nicht weniger, als die documenta und die Gesellschaft angesichts eines Millionendefizits vor der Zahlungsunfähigkeit und dem Aus zu bewahren. Das ist uns in einem gemeinsamen Kraftakt gelungen. Dafür, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, möchte ich Ihnen herzlich danken.

Mit Blick auf das, was nun vor uns liegt, möchte ich noch einmal an das Zitat von Alan Kay erinnern: „Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet.“

Bewusst und zuversichtlich haben wir den Termin für die documenta 15 festgelegt: Sie wird am 18. Juni 2022 in Kassel eröffnet werden und bis zum 25. September andauern. Demnächst schon wird eine neue hochkarätig besetzte Findungskommission auf die Suche nach einer künstlerischen Leitung gehen. Unterdessen werden wir prüfen lassen, ob und an welchen Stellen das gemeinnützige Unternehmen documenta besser ausgestattet werden muss – in organisatorischer, finanzieller wie auch personeller Hinsicht.

Denn Ziel muss es sein, die documenta zu stärken, sie zeitgemäß auszustatten und zukunftsfähig zu machen. Wir haben jetzt die Pflicht, zugleich aber auch die Chance, der documenta eine neue Perspektive und eine solide Basis zu geben.

Ebenso wie bei der künstlerischen Ausrichtung der vergangenen und kommenden documenta-Ausstellungen wird sich zeigen, dass Krisen und Brüche nicht nur Chancen in sich bergen, sie sind sogar Lebenselixier der documenta. Sie vermag es, sich immer wieder neu zu erfinden. Das wird sie auch weiterhin, denn Kunst entwickelt sich, in ganz unterschiedlichen Ausprägungen, unter ganz unterschiedlichen Einflüssen in allen Teilen dieser Welt. Alle fünf Jahre bietet Kassel die Bühne für ein Kaleidoskop, in dem sich Biographien, Erfahrungen und Positionen von Künstlern wiederfinden, die unsere Zeit prägen. Deshalb ist die documenta so spannend und so besonders – und das wird sie auch bleiben! Denn ein Grundpfeiler der documenta ist die künstlerische Freiheit – Überraschungen stets inbegriffen. Die documenta ist in Kassel entstanden, sie hat sich in Kassel und aus Kassel heraus entwickelt, und sie ist und wird für immer untrennbar und unübersehbar mit unserer Stadt verbunden sein.

Meine Damen und Herren,
wir sind wohl selbstbewusst genug, nicht immer wieder betonen zu müssen, dass Kassel die documenta-Stadt ist.

In jedem Fall war die documenta 14 zukunftsweisend. Von ihr haben wir vieles gelernt. Und Erfahrungen aus der Vergangenheit können bekanntlich als Wegweiser für die zukünftige Entwicklung dienen.

Die documenta 14 konfrontierte uns nicht nur mit der Vergangenheit und Themen wie Kolonialisierung und Nationalsozialismus, sondern auch mit drängenden Fragen unserer Zeit: Wie gehen wir mit dem Flüchtlingsproblem um? Neben einer weltoffenen Stadt, die Lebensqualität , soziale Gerechtigkeit, Sicherheit und Stabilität bietet und Chancen auf Teilhabe ermöglicht, sind es viele kleine Bausteine und viele engagierte Menschen, die dazu beitragen, dass Integration gelingen kann. Eine hierbei engagierte Bürgerin möchte ich Ihnen heute vorstellen: Sabrina Bialke.



Meine Damen und Herren,
wir in Kassel können uns glücklich schätzen, dass sich so viele Menschen in ganz unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich engagieren. Ein Beispiel sind die rund 20 ehrenamtlichen Alltagshelfer. Mit ihrer Arbeit im Nachbarschaftshilfeverein „Piano “ unserer Wohnungsbaugesellschaft GWG helfen sie Menschen, die in unserer Stadt Zuflucht suchen. Die Geflüchteten müssen nicht nur unsere Sprache lernen, sich in unserer Umgebung und Kultur zurechtfinden, sondern auch im Alltag ankommen.

Dass sich hierfür Paten finden, wie Sabrina Bialke, die sich neben ihrem Studium in der Gemeinschaftsunterkunft Bunsenstraße engagiert, ist eine große Hilfe für einen gelingenden Integrationsprozess.

Liebe Frau Bialke, stellvertretend für die vielen Bürgerinnen und Bürger, die geflüchteten Menschen, aber auch sozial Schwachen und Bedürftigen in unserer Stadt zur Seite stehen, möchte ich Ihnen heute herzlich danken. Eine Gemeinschaft hat nur eine gute Zukunft, wenn das soziale Miteinander funktioniert. Sie sind eine Baumeisterin, die mit ihrem Engagement unser Kassel lebens- und liebenswert macht.

Meine Damen und Herren,
vor einigen Jahren bescheinigte man unserer Stadt noch einen stetigen Bevölkerungsrückgang. Entgegen früherer Prognosen der Demographen leben in Kassel heute über 204.000 Menschen. Das liegt auch am Zuzug von Geflüchteten, aber eben ganz wesentlich an anderen Faktoren. Unsere Stadt ist attraktiv – hier lässt es sich gut leben. Viele Menschen wollen in Kassel wohnen, weil es hier Arbeit gibt und sie eine Perspektive sehen. Handwerker, Wissenschaftler, Informatiker, Erzieher, Kreative, Gründer und auch für jene, die erst noch schauen, wo es einmal langgehen soll. Auch unsere Universität verzeichnet erneut Rekordzahlen an Studierenden.

Die Kehrseite der Attraktivität Kassels ist allerdings ein angespannter Wohnungsmarkt. Für einkommensschwächere Mitbürgerinnen und Mitbürger, aber auch für junge Familien wird es nicht leichter, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Wir erhoffen uns schon bald eine spürbare Erleichterung: Auf dem Areal der ehemaligen Eichendorff-Schule in Bettenhausen werden bald 500 Menschen ein neues Zuhause finden. Auch das Martini-Quartier entwickelt sich. Im Frühjahr erfolgt dort der Baustart.

Auf dem Gelände der alten Jägerkaserne werden 450 neue Wohnungen erbaut. Zudem entstehen gerade im Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn rund 100 neue Wohnungen. Das heißt aber nicht, dass wir uns ausruhen dürfen. Bauen und Sanieren – das wird uns in den kommenden Jahren noch weiter beschäftigen.

Meine Damen und Herren,
Kassel ist eine Stadt im Aufbruch, voller dynamischer, spannender Wandlungsprozesse. Das vergangene Jahr war für unsere Stadt arbeitsmarktpolitisch das beste seit der Wiedervereinigung. Hessenweit haben wir damit ein Ausrufezeichen gesetzt. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember mit 7,4 Prozent so niedrig wie seit rund 30 Jahren nicht mehr.

Das macht sich auch im städtischen Haushalt bemerkbar: Der kommunale Anteil an der Einkommenssteuer hat mit 93,1 Millionen Euro einen neuen Rekord erreicht. Das ist fast doppelt so viel wie noch vor acht Jahren. Das ist der Beweis dafür, dass die wirtschaftliche Dynamik auch in den Geldbeuteln vieler Menschen in unserer Stadt angekommen ist; und nicht nur bei einigen wenigen.

Unser Ziel muss sein, noch mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen. Eine Herausforderung wird es bleiben, auch geflüchteten Menschen eine Perspektive zu bieten und sie auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass uns dies gemeinsam gelingen kann.

Meine Zuversicht kommt nicht von ungefähr: Die Wirtschaft in Kassel brummt. Indiz für die Prosperität ist die Gewerbesteuer. Mit Stolz und Freude kann ich heute ein weiteres Rekordergebnis für Kassel verkünden: Für das vergangene Jahr werden wir nach vorläufigen Berechnungen den bisherigen Höchststand des Jahres 2013 übertreffen und über 170 Millionen Euro an Gewerbesteuer verbuchen können. Diese Zahl ist das Resultat daraus, dass man in Kassel auf alte Stärken vertraut und trotzdem offen für Neues bleibt und aktiv die Zukunft gestaltet.

Ein wichtiger Baustein für einen starken Wirtschaftsstandort ist unser Flughafen. Ich bin froh, dass jetzt Klarheit herrscht über die Zukunft des Kassel Airport als Regionalflughafen. Das Land, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, steht zu dem, was wir gemeinsam im Gesellschaftervertrag vereinbart haben. Jetzt heißt es, die Ärmel hochkrempeln und den Flughafen weiterentwickeln.

Rangeklotzt wird auch an anderer Stelle im Kasseler Norden: Der Traditionsstandort Mittelfeld erlebt seine Renaissance. Dort wurde im vergangenen Jahr kräftig investiert. Diese großartige Erfolgsgeschichte geht weiter.Rund zwei Jahre nach seiner Eröffnung ist der Science-Park auf dem Uni-Campus nahezu vollständig belegt. 200 Menschen finden dort Beschäftigung. Die Entscheidung der Stadt, in dieses Start-up-Zentrum zu investieren, war Gold wert. Es gibt bereits Gedankenspiele zu einer Erweiterung.

Meine Damen und Herren,
mit einer aktiven Ansiedlungspolitik wollen wir unseren Wirtschaftsstandort weiter stärken. Der 76 Hektar große Gewerbepark Kassel-Niederzwehren ist unser zentrales Projekt zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt, für die Sicherung von Arbeitsplätzen und für mehr Beschäftigung. Etwa 28 Hektar an Gewerbeflächen sind bereits erschlossen, namhafte Käufer haben einen Großteil dieser Flächen erworben oder Interesse daran geäußert. Der zweite Bauabschnitt soll Ende 2020 fertiggestellt sein, dann stehen weitere 25 Hektar an Gewerbeflächen zur Verfügung.

An der Nordseite des ehemaligen Hauptbahnhofs entsteht derweil für rund 60 Millionen Euro Kassels neustes Flaggschiff: Der Neubau des Fraunhofer-IWES ist ein deutliches Bekenntnis zu Kassel als führenden Wissenschaftsstandort für Energiesystemtechnik sowie zu den forschungspolitischen Herausforderungen der Energiewende. Im Herbst haben wir beide, Herr Ministerpräsident, den Spatenstich für den Fraunhofer-Neubau gesetzt, im Jahr 2020 sollen die Arbeiten weitgehend abgeschlossen sein. Ich bin davon überzeugt, dass diese Investition zukunftsweisend ist für unsere Stadtentwicklung.

Liebe Gäste,
investiert wird in Kassel auch in den Sport. Im Frühjahr starten wir mit dem Bau der neuen Drei-Felder-Sporthalle in der Sportanlage Auepark. Stadt und Uni setzen damit ein großes Ausrufezeichen zur Förderung des Sports. Sichtlich angetan vom gesamten Sportareal rund um das Auestadion zeigte sich kürzlich erst der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes Franz Reindl bei einem Besuch in Kassel. Der DEB will die Planungen der Huskies und der Stadt, eine zweite Eisfläche zu errichten, aktiv unterstützen und stellt Kassel – auch für die herausragende Jugendarbeit - das Prädikat „Verbandsstützpunkt Nachwuchs“ in Aussicht. Das gibt uns und den Huskies noch einmal einen enormen Schub, das Vorhaben für den Eishockey-Nachwuchs zu realisieren.

Von einer anderen Großbaustelle werden mittelfristig die Innenstadt und mit ihr der Handel profitieren. Ab April gehen die Umbauarbeiten in der Oberen Königsstraße weiter. Die Aufenthaltsqualität in der City wird klar verbessert. Hierzu passt, dass wir gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Nordhessen schon bald Vorschläge präsentieren werden, wie eine Videoüberwachung im öffentlichen Raum und speziell in der Innenstadt ausgeweitet werden kann.

Meine Damen und Herren,
kann es ein schöneres zukunftsweisendes Zeichen für eine Stadt geben als einen neuen Geburtenrekord? 4486 Kinder erblickten im vergangenen Jahr in Kassel das Licht der Welt - die höchste Geburtenzahl seit 1971.

Die beste Investition in die Zukunft ist die Investition in unsere Kinder. Damit Kassel für sie und ihre Familien das beste Zuhause werden kann, schaffen wir im kommenden Jahr - gemeinsam mit den freien Trägern – über 500 neue Kita-Plätze. Dazu gehört auch, die Ausstattung der Schulen in unserer Stadt zu verbessern. Eine Aufgabe, die wir als Kommune nur gemeinsam mit Bund und Land stemmen können. Mithilfe der Mittel aus den Kommunalen Investitionsprogrammen wird die Stadt Kassel ab diesem Jahr gut 31 Millionen Euro zusätzlich in unsere Schulen investieren.

Außerdem möchte ich betonen, dass in den vergangenen zehn Jahren insgesamt knapp 130 Millionen Euro in die Modernisierung von Schulgebäuden in der Stadt Kassel investiert wurden. In Addition bedeutet das 161 Millionen Euro für Kassels Schulen. Wir haben schon viel erreicht, müssen aber weiter am Ball bleiben.

Ein bundesweit strahlender Leuchtturm unserer Kasseler Bildungslandschaft ist das Schülerforschungszentrum Nordhessen. Die jungen Forscher haben bereits unzählige Preise eingeheimst. Zwei von ihnen möchten wir heute stellvertretend würdigen.



Meine Damen und Herren,
Ideen können manchmal die Welt verändern. Im Fall der beiden Schüler Hannah Kramer und Leon Kausch, die intensiv am Schülerforschungszentrum mitarbeiten, ist es die Umwelt, genauer gesagt der Bugasee. Im Fachgebiet Biologie haben die Schülerin der Engelsburg und der Schüler der Elisabeth-Knipping-Schule mithilfe eines selbst gebauten Analysebootes die Regeneration der Wasserqualität unseres beliebten Badesees untersucht. Damit wurden sie Landessieger beim Wettbewerb „Jugend forscht“.

Wir wollen Hannah Kramer und Leon Kausch heute als „Baumeister 2017“ ehren. Denn sie sind nicht nur hoffnungsvoller Forschernachwuchs, ihre Idee hat auch ganz konkrete Auswirkungen: Ihr Vorschlag, den See auszubaggern, um nährstoffreichen Boden zu entfernen und somit das Wachstum von Blaualgen einzudämmen, wurde im vergangenen Sommer vom Umwelt- und Gartenamt in Strandbereichen teilweise umgesetzt. Wir sind gespannt, wie es funktioniert und freuen uns auf die nächste Badesaison.

Liebe Hannah Kramer,
lieber Leon Kausch, im Namen der Stadtgesellschaft ganz herzlichen Dank für Ihren Einsatz als Baumeister für unsere Umwelt.

Meine Damen und Herren, eine treibende Kraft für unsere Stadtentwicklung ist und bleibt die Kultur – und damit meine ich bei Weitem nicht nur die documenta. Wir verfügen über eine sehr lebendige Kulturszene, die es in vielen Bereichen noch zu entdecken, zu fördern und zu vernetzen gilt. Gerade deshalb ist der vor kurzem begonnene Beteiligungsprozess zur Erarbeitung einer Kulturkonzeption so spannend und wichtig. Sie bietet die große Chance, die Zukunft unserer Stadt gemeinsam mit Bürgern und Kulturakteuren zu gestalten.

Und daher sage ich es an dieser Stelle noch einmal: Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet. Sie alle sind herzlich eingeladen, diesen Weg mitzugehen und an diesem Prozess teilzuhaben.

Wir brauchen einen Ort für die freie Kultur-Szene und die Kreativwirtschaft, eine Art Hotspot – gewissermaßen einen Science Park für die Kultur. Wenn es uns gelingt, einerseits unsere Kulturleuchttürme zu erhalten und zu profilieren und andererseits auch kleinere Kulturprojekte zu integrieren und zum Leuchten zu bringen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Und der Weg ist hier das Ziel, denn Kulturentwicklung ist ein immerwährender Prozess.

Eine Kulturstrategie ist unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Kulturhauptstadtbewerbung, über die in diesem Jahr noch entschieden werden muss. Unumstritten hat Kassel vom ersten Bewerbungsprozess profitiert und sich seither kulturell enorm weiter entwickelt. Darauf wollen wir uns aber nicht ausruhen.

Meine Damen und Herren,
bei allen Bemühungen um Lebensqualität, Stabilität und Sicherheit für die Menschen in unserer Stadt lassen sich auch negative Ereignisse leider nicht verhindern. An einen solchen Fall möchten wir erinnern, weil daraus schließlich ein leuchtendes Beispiel von Menschlichkeit und Nachbarschaftshilfe erwuchs.



Am 21. Juni brach in Bettenhausen ein Großfeuer aus. Eine Anwohnerin verlor ihr komplettes Hab und Gut. Mehr als 30 Menschen mussten aus dem Bereich in Sicherheit gebracht werden, während rund 200 Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk über Stunden im Einsatz waren.

Ein Name wurde in dieser Nacht und in den nächsten Tagen auch von den Einsatzkräften und Stadtteilbewohnern immer wieder genannt: Alberto Jaber.
In der Brandnacht öffnete der Wirt der benachbarten Gaststätte Fosters Garden kurzentschlossen sein Lokal und bot den evakuierten Anwohnern und den erschöpften Einsatzkräften eine Zufluchtsstätte. Auf eilig aufgestellten Feldbetten fanden betroffene Anwohner, die nicht in ihre Wohnungen konnten, wenigstens ein paar Stunden Ruhe.
Mit einer selbst initiierten Spendenaktion für die wohnungslos gewordene Anwohnerin haben Alberto Jaber und sein Team dann an den Folgetagen ihre Hilfe fortgesetzt.

Für Sie, lieber Herr Jaber, war es selbstverständlich, uneigennützig und schnell zu helfen, für Ihre Mitmenschen in der Not da zu sein. Solche Bürger, solche Nachbarn braucht es in unserer Stadt. Wir ehren Sie heute als einen Baumeister des sozialen Miteinanders.

Meine Damen und Herren,
an dieser Stelle möchte ich nicht versäumen, denjenigen zu danken, die sich tagtäglich mit großem Engagement um die Sicherheit, den Schutz und die Hilfe für unsere Bevölkerung kümmern: der Polizei, dem Ordnungsamt, der Feuerwehr, den Rettungsdiensten und den zahlreichen Hilfsorganisationen. Denen, die uns helfen und schützen wollen, gilt unsere uneingeschränkte Unterstützung.

Meine Damen und Herren,
in Kassel sollen alle Generationen gut miteinander leben. Dazu gehört es auch, unseren Kindern die Bürde der Altschulden zu erleichtern. Seien Sie gewiss, wir arbeiten hart daran: Allein in den vergangenen drei Jahren ist es aus eigener Kraft gelungen, rund 121 Millionen Euro an Schulden abzubauen.

Im vergangenen Jahr ist der Schuldenberg der Stadt um 52,7 Millionen Euro geschrumpft – so viel wie nie zuvor. Damit hat die Stadt Kassel noch rund 400 Millionen Euro Schulden. Dieser Kraftakt ist eine enorme Leistung, wenn man sich vor Augen führt, dass die Verschuldung der Stadt im Jahr 2012 noch bei 743 Millionen Euro lag! Gleichzeitig haben wir in den vergangenen drei Jahren aus dem laufenden Betrieb knapp 112 Millionen Euro investiert – ohne dafür ein weiteres Darlehen aufzunehmen. Allein im vergangenen Jahr konnten wir ohne Kreditaufnahme zusätzliche Investitionsmittel in Höhe von 41 Millionen Euro bereitstellen. Darauf bin ich als Oberbürgermeister und Finanzdezernent sehr stolz und auch dankbar. Für diese beachtliche Leistung möchte ich auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung und für das gut bestellte Feld dem langjährigen Stadtkämmerer, Dr. Jürgen Barthel, herzlich danken.

Danke an alle „Baumeister", die in ganz verschiedenen Bereichen und jeder auf seine eigene Weise einen Beitrag für unsere Stadt leisten. Danke an alle, die nicht fragen, was die Stadt und der Staat für sie tun können, sondern überlegen, was sie selbst tun können.

Meine Damen und Herren,
die Zukunft beginnt heute. Packen wir sie an und freuen wir uns auf sie!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien von Herzen ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2018.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 

Fotos: Harry Soremski

Veröffentlicht am:   01. 02. 2018  

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