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Flagge Israels weht vor dem Kasseler Rathaus

Fahne mit dem Davidsstern auf weißem Grund, längs gesäumt von zwei blauen Balken.; © Stadt Kassel; Foto: Soremski.
Oberbürgermeister Christian Geselle mit der israelischen Flagge.

Anlässlich des 70. Jahrestages der Gründung Israels am 14. Mai 1948 hat die Stadt Kassel vor dem Rathaus die Flagge des Landes gehisst. „Mit dem Hissen der israelischen Flagge zeigen wir unsere Solidarität mit dem jüdischen Staat und setzen ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Stadt Kassel und ihre Bürgerinnen und Bürger gratulieren dem israelischen Volk und den Menschen in unserer Partnerstadt Ramat Gan zum 70jährigen Bestehen“, so Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle. Gleichzeitig wünsche man Israel angesichts der aktuellen Konflikte in der Nahost-Region, dass sich ihr Wunsch nach einem Leben in Frieden und in sicheren Grenzen erfüllen möge.

Das deutsch-israelische Verhältnis werde für immer geprägt sein durch den in der Menschheitsgeschichte beispiellosen Zivilisationsbruch des millionenfachen Mordes an Menschen jüdischen Glaubens. Vor diesem Hintergrund mute es wie ein Wunder an, dass sich über die historischen Abgründe hinweg zwischen den Menschen beider Staaten nicht nur politische Beziehungen entwickelt haben, sondern auch Freundschaften entstanden seien, betonte Geselle: „In diesem Sinne pflegen wir seit Jahrzehnten partnerschaftliche Beziehungen zu Ramat Gan. Gerade auf kommunaler Ebene ist es in vielen persönlichen Begegnungen gelungen, ein besseres Verständnis und gegenseitiges Vertrauen entstehen zu lassen. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Flagge zeigen werde Kassel auch dann, wenn es darum gehe, die friedliche Stadtgesellschaft und das gute Miteinander in Kassel zu verteidigen. „Wir werden auch in Zukunft wachsam bleiben und allen Tendenzen von Antisemitismus, Fremdenhass und Intoleranz entschieden entgegentreten“, so die klare Botschaft des Kasseler Oberbürgermeisters.

Kassel mit Israel eng verbunden

Vor 70 Jahren hatte David Ben-Gurion den Staat Israel proklamiert. Damit war die vom österreich-ungarischen Journalisten Theodor Herzl Ende des 19. Jahrhunderts initiierte zionistische Bewegung an ihr damals noch völlig utopisch erscheinendes Ziel gelangt. Heute leben rund 8,5 Millionen Menschen in dem Land, dessen Territorium in etwa so groß ist wie Hessen.

Die Verbindung Kassels in den jüdischen Staat ist so eng wie nie zuvor, was nicht nur in intensiven wirtschaftlichen Beziehungen wie auch wechselseitigen Touristenströmen deutlich wird. So hat Kassel mit Ramat Gan (seit 1990) eine Partnerstadt in Israel. Am Zustandekommen dieser Verbindung hatte maßgeblich der Verein ehemaliger Kasseläner in Israel sowie die Deutsch-Israelische Gesellschaft in Kassel mitgewirkt., die auch in diesem Jahr wieder einen Schüleraustausch organisiert. Rund 50 israelische Staatsbürgerinnen und -bürger leben zurzeit in Kassel.

Jüdinnen und Juden gehörten lange vor der neuzeitlichen Staatsgründung Israels zu Kassel, urkundlich belegt bereits seit 1293, also seit 750 Jahren. Aber auch in Kassel waren sie in der Nazi-Zeit gnadeloser Verfolgung ausgesetzt. Die Synagoge brannte bereits zwei Tage vor der landesweiten Pogromnacht 1938. In den Jahren des Holocaust wurde das Judentum in Deutschland wie in Kassel nahezu ausgelöscht, Tausende vom Kasseler Hauptbahnhof aus deportiert und ermordet. Heute gibt es wieder eine große jüdische Gemeinde in Kassel mit der modernen Synagoge in der Bremer Straße. Das damalige Geschehen ist vielfach in der Erinnerung präsent, darunter auch durch die den vielen Einzelschicksale gewidmeten Stolpersteinen des Künstlers Gunter Demnig. Die Aussöhnung mit Israel gehört zur Staatsraison der Bundesrepublik Deutschland. In Kassel sind in diesem Sinne nicht allein die Stadt, sondern auch weite Teile der Stadtgesellschaft aktiv, so beispielsweise die Deutsch-Israelische Gesellschaft oder die Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Israel und der Nahost-Konflikt

Frieden war dem Staat Israel von Anfang an nicht vergönnt. Bereits wenige Stunden nach der Staatsgründung 1948 griffen Truppen einer arabischen Allianz bestehend aus Ägypten, Syrien, Jordanien, dem Libanon und dem Irak das junge Israel an, das sich jedoch behauptete. Ein großer Teil der arabischen Bevölkerung floh anschließend außer Landes. Es folgten weitere Kriege.

Die Repräsentanten der Stadt Kassel haben sich - entsprechend der außenpolitischen Haltung Deutschlands und der Europäischen Union - in den vergangenen Jahrzehnten stets für die sogenannte Zwei-Staaten-Lösung ausgesprochen. Unter der Voraussetzung, dass seine Nachbarn das Existenzrecht Israels anerkennen, würde es danach neben dem  israelischen auch einen unabhängigen palästinensischen Staat zwischen Mittelmeer und Jordan geben. Nach Jahren ohne Fortschritte sind allerdings die USA mit der Eröffnung ihrer neuen Botschaft in Jerusalem am 14. Mai 2018 offensichtlich von dieser Perspektive abgerückt, weil die internationale Gemeinschaft bisher den Standort einnahm, die Hauptstadtfrage könne erst mit einem dauerhaften Friedensvertrag geklärt werden. Eine Alternative zur Zwei-Staaten-Lösung ist indes nicht erkennbar.

Der Nahost-Konflikt  besteht fort, und die Frage, ob und wie ein friedliches Zusammenleben zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten organisiert werden kann, ist noch unbeantwortet.

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