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Wie wollen wir alt werden? Lokales Fachforum im Kasseler Rathaus

Es geht um neue Strukturen für die Gestaltung der Zukunft der älteren Menschen in Kassel, um ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, um Gerechtigkeit für Frauen und Männer im Alter, um altersgerechtes Wohnen in lebendigen Stadtteilen, um Kommunikation anstelle von Einsamkeit und um Verteilungsgerechtigkeit anstelle von Altersarmut.

Zu einem lokalen Fachforum zum 7. Altenbericht der Bundesregierung hatte Bürgermeisterin Ilona Friedrich am Dienstag, 5. Juni, ins Kasseler Rathaus eingeladen. Die Veranstaltung bildet den Auftakt zur Bewertung, Ausgestaltung und Umsetzung der im Altenbericht genannten Themenfelder auf lokaler Ebene. Die Ergebnisse der Fachtagung werden in die Weiterentwicklung der Strukturen der Altenhilfeplanung in Kassel einfließen.

Bürgermeisterin ilona Friedrich am Rednerpult; © Stadt Kassel; Foto: Ina Michael Bürgermeisterin Ilona Friedrich

Schlüsselthemen vorgestellt

Die "sorgende Gemeinschaft" und die Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger sind Schlüsselthemen für die Kasseler Sozialdezernentin, Bürgermeisterin Ilona Friedrich, wenn es um das Thema "Älter werden in Kassel" geht. Eine große Herausforderung, denn immer mehr Menschen werden immer älter, auch in Kassel. "Ich sehe als Sozialdezernentin meine Verantwortung hier ganz klar in dem nachdrücklichen Einfordern von interdisziplinären Zusammenwirken aller Verantwortlichen in einer strukturierten Altenhilfeplanung. Wir wollen als Stadt, die Vielfalt lebt, für alle Menschen attraktive und lebenswerte Bedingungen schaffen", sagte Bürgermeisterin Friedrich.

Der Altersdurchschnitt in der Stadt liegt derzeit bei 42 Jahren, aber über 25 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner sind mehr als sechzig Jahre alt, bis ins Jahr 2026 wird das voraussichtlich jeder dritte Bürger sein. Und noch eine Zahl ist von Bedeutung: 70 Prozent der Pflege wird von den Angehörigen geleistet. Anlass genug, um in einem Fachforum mit Akteurinnen und Akteuren der Altenhilfe in der Region, Vertretern der Wohlfahrtsverbände, der Lokalpolitik, Akteuren der lokalen Wohnungswirtschaft, Mitarbeitenden von Kommunalverwaltungen und Studierenden der Universität Kassel im Bürgersaal des Kasseler Rathauses über den 7. Altenbericht der Bundesregierung zu diskutieren. Unter dem Titel "Sorge und Mitverantwortung in der Kommune" liefert er mit seinen Ergebnissen, Erkenntnissen und Empfehlungen eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Systems der Altenhilfe, die Entwicklung generationenübergreifender Konzepte, die Gleichstellung von Frauen und Männern auch im Kontext der Weiterentwicklung von Sorge-, Unterstützungs- und Pflegestrukturen, ein neues Verständnis kommunaler Daseinsvorsorge, ein weiterentwickeltes Konzept von Subsidiarität, die Überwindung von Ungleichheiten in einer alternden Gesellschaft sowie die Berücksichtigung regionaler Unterschiede – und dies alles möglichst auf der Grundlage einer integrierten Sozialplanung.

Sabine Rüger begrüßt die Gäste; © Stadt Kassel; Foto: Ina Michael

Applaus im Publikum; © Stadt Kassel; Foto: Ina Michael

Prof. Dr. Andreas Kruse als Redner am Pult; © Stadt Kassel; Foto: Ina Michael

Differenzierte Angebote für alte Menschen in Kassel
"Eine mutigen Neuansatz, gegenläufig zum Individualisierungstrend", nannte Bürgermeisterin Friedrich den von der Bundesregierung vorgelegten 7. Altenhilfebericht und verwies zugleich darauf, dass Kassel bereits über sehr differenzierte Angebote für alte Menschen verfügt, viele stadtteilbezogene Angebote würden dabei von Wohnungsbaugesellschaften getragen. Friedrich nannte eine Vielzahl an offenen Angeboten in Stadtteilzentren für Ältere, Seniorengruppen in Vereinen und Seniorenkreisen in den Kirchengemeinden sowie ehrenamtliches Engagement, die die institutionelle Altenhilfe und ihre Einrichtungen ergänzen. Diesen Weg, flächendeckend Angebote zu schaffen, wolle Kassel weiter beschreiten.

"Menschen wollen im Alter vor allem eigenständig und selbstbestimmt – möglichst im gewohnten Lebensumfeld – leben. Das Thema Armut im Alter muss auch hier deutlich thematisiert werden. Unser Ziel ist, soziale Teilhabe gerade auch für alte und meist zugleich eingeschränkte Menschen zu ermöglichen und zu fördern", umriss Bürgermeisterin Friedrich ihre Perspektive. Zentrale Handlungsfelder einer integrierten lokalen Seniorenpolitik seien die präventive und wohnortnahe Gestaltung der gesundheitlichen Versorgung - nicht nur -Älterer, die Weiterentwicklung von Sorge- und Pflegestrukturen in gemeinsamer Verantwortung aller Beteiligten sowie die Weiterentwicklung der Wohnungspolitik zu einer umfassenderen Wohnpolitik.

Hintergrund:
Das lokale Fachforum zum 7. Altenbericht der Bundesregierung in Kassel ist eine von acht Regionaltagungen zu dem Thema, die von der Bundesregierung finanziert werden. Zu den Referenten des Fachforums gehörten ausgewiesene Experten, darunter die Mitglieder der Altenberichtskommission Professor Dr. Andreas Kruse, Professor Dr. Monika Alisch und Professor Dr. Susanne Kümpers sowie der Mentor der "Integrierten Sozialplanung", Professor Dr. Herbert Schubert. In vier Vorträgen referierten sie zu den zentralen Themen Koordination und Vernetzung, Sozialraumorientierung, Partizipation und Wohnen. Anschließend wurden diese vier Themen im Rahmen eines Worldcafés mit den Teilnehmenden intensiv diskutiert.

 


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