Zukunft in Kassel

Zertifikatsübergabe: In Kassel gibt es jetzt 14 muslimische Notfallbegleiter

Das ist hessenweit in dieser Form bislang einmalig: 14 muslimische Frauen und Männer aus Kassel haben sich in den vergangenen Monaten zu ehrenamtlichen Notfallbegleiterinnen und –begleitern ausbilden lassen. Sie können nun in Kassel die etablierten Notfalldienste dabei unterstützen, Menschen – insbesondere Muslime - nach traumatischen Ereignissen seelisch zu betreuen. Bislang bieten der Kriseninterventionsdienst des Deutschen Roten Kreuzes und die Notfallseelsorge der Evangelischen Landeskirche Beistand in solchen Fällen, wenn sie von der Polizei und Rettungskräften hinzugezogen werden.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen überreichte den vier Teilnehmerinnen und zehn Teilnehmern jetzt die entsprechenden Zertifikate und würdigte ihr Engagement. "Ich möchte Ihnen herzlich danken, dass Sie sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen einsetzen wollen, die persönliche Schicksalsschläge erlitten haben", sagte Hilgen. Dabei sei es egal, welche Nationalität und Religion die Betroffenen haben. Bei Todesfällen in muslimischen Familien, in denen religiöser islamischer Beistand gewünscht werde, stoße christliche Notfallseelsorge aber an ihre Grenzen.

"Viele Menschen wünschen sich, beim plötzlichen Tod eines geliebten Angehörigen nicht allein zu sein. Je besser die Notfallbegleiter das kulturelle und religiöse Umfeld, oft auch die Muttersprache der Betroffenen kennen, desto angemessener können sie Beistand leisten", erklärte Oberbürgermeister Hilgen. Wenn eine Person in einer extrem belastenden Situation in ihrer Muttersprache angeredet werde, mache das Interaktion manchmal überhaupt erst möglich. Die ausgebildeten Notfallbegleiterinnen und –begleiter fungieren auch als Brückenbauer zwischen Angehörigen und Rettungsdiensten.

Die 14 Notfallbegleiterinnen und –begleiter kommen alle aus Kassel und haben ihre Wurzeln in Albanien, Ägypten, Kosovo, Somalia, Tunesien, Türkei, Marokko und Mazedonien. Sie werden künftig auf ehrenamtlicher Basis die etablierten Notfalldienste unterstützen. Hierfür wird ein Dienstplan mit Rufbereitschaft verabredet und sie werden je nach Einsatz nachalarmiert und hinzugezogen.

Hintergrund:

Koordiniert wurde die Fortbildung "Muslimische Notfallbegleitung" vom städtischen Zukunftsbüro, finanziert wurde die Qualifizierungsmaßnahme vom Arbeitskreis der Muslimischen Gemeinden in Kassel. Gemeinsam mit Vertretern der Evangelischen Landeskirche, des Polizeipräsidiums Nordhessen und des Deutschen Roten Kreuzes hat man die Fortbildung konzipiert.

Das Kursangebot richtete sich an Muslime, die Muslimen in Notsituationen beistehen wollen. Für das Projekt wurde die Bezeichnung Notfallbegleitung eingeführt, da der Begriff Notfallseelsorge an das christliche Verständnis der Seelsorge gebunden ist.

Übergabe Zertifikate "Muslimische Notfallbegleitung"; © Harry Soremski

Veröffentlicht am:   14. 02. 2017  


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