Nationale Projekte des Städtebaus- Gestalterische Aufwertung der Wilhelmshöher Allee

Logoleiste: Logo Wilhelmshöher Allee - Nationales Projekt Städtebau 2016-2018; Logo Städtebauförderung von Bund Ländern und Gemeinden; Logo Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit; Logo Kassel documenta Stadt; © Stadt Kassel


Projektbegründung

Mit der Erweiterung und dem Umbau seiner Residenzstadt durch seinen Hofbaumeister ließ Landgraf Friedrich II. 1767/68 vom Bergpark aus die Weißensteiner Allee (heute Wilhelmshöher Allee) nach Kassel anlegen. Die 20 m breite Achse war unmittelbar auf den Herkules bezogen und verlängerte über 5 km die Linie der Wasserspiele schnurgerade durch die hügeligen Felder der Dörfer Wahlershausen und Wehlheiden bis zur Residenzstadt. Die Allee endete zunächst an der Landstraße von Wehlheiden nach Kassel (heute: Rathenauplatz, Einmündung Königstor). Knapp 10 Jahre später wurde sie 1776/77 den Weinberghang hinauf durch die Gärten vor der Stadt bis an den Stadtrand herangeführt und hier mit der neuen städtischen Magistrale, der Königstraße, verbunden.

Heute verbindet die Wilhelmshöher Allee als Stadtstraße das UNESCO Weltkulturerbe Bergpark mit der Innenstadt und ist als Pufferzone ausgewiesen. Dank der historischen, landschaftlichen und städtebaulichen Bezüge hat die Wilhelmshöher Allee eine besondere Bedeutung für das gesamtstädtische Gefüge der Stadt Kassel. An ihr orientierte sich die Entwicklung der westlichen Stadtteile im 19. Jahrhundert, sie ist die Hauptsichtachse von und zu dem UNESCO Weltkulturerbe Bergpark, sie verbindet in ihrem 4,6 km langen schnurgeraden Verlauf nicht nur den Bergpark mit der Innenstadt, sie ist auch die erkennbar verbindende Magistrale der bipolaren Museumslandschaft und der großen Landschaftsparks Kassels. Für Gäste der Stadt sollte sie daher ein besonderes Erlebnis der schrittweisen Annäherung an Bergpark und Innenstadt sein.

Von der einstigen prachtvollen Allee ist jedoch nur noch wenig zu erkennen. Defizite bestehen vor allem in der Ausprägung des Alleecharakters, da zum einen in vielen Bereichen der Baumbestand Lücken aufweist und zum anderen große Teile des Baumbestandes durch zu kleine Baumscheiben in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Mit dem Ziel, die verknüpfende markante Achse als Einheit neu erlebbar zu machen, wurden Fördermittel beim "Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit" beantragt und in einer Höhe von 1,9 Millionen Euro bewilligt. Rund 200.000 Euro Komplementärmittel werden dabei von der Stadt Kassel beigesteuert.


Maßnahmen und Ziele

Um dies zu erreichen wurden folgende Maßnahmen und Ziele definiert: 

  1. Übergeordnetes Ziel: Stärkung und gestalterische Aufwertung der axialen Wirkung durch grünplanerische Maßnahmen
  2. Ergänzung, Sanierung und Ersatz der Alleebäume und Baumscheiben (ca. 225 Neupflanzungen, ca. 450 Baumsanierungen)
    Ziel: Stärkung des Alleecharakters 
  3. Neubau und Überarbeitung eines durchgehenden Rasengleises mit automatischer Bewässerung
    Ziel: Fortführung eines einheitlichen grünen Bandes als visuelle Verbindung zwischen Bergpark und Innenstadt
  4. Pflanzung von Schnitthecken auf den seitlichen Rasenstreifen des Gleiskörpers als barocke Reminiszenz
    Ziel: Gliederung des aufgeweiteten, ungestalteten Verkehrsraums
  5. Begrünung der neuen Stahlmasten der KVG
    Ziel: Integration der technisch notwendigen Infrastruktur in das Begrünungskonzept
  6. Umsetzung eines einheitlichen Möblierungskonzeptes an identitätsstiftenden markanten Orten
    Ziel: Wahrnehmung besonderer Blickbeziehungen stärken und damit die Aufenthalts- und Nutzungsqualität erhöhen

Bestand: Wilhelmshöher Allee Höhe Murhardstraße, Blick in Richtung Herkules - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel Bestand: Wilhelmshöher Allee Höhe Murhardstraße, Blick in Richtung Herkules - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel

Visualisierung: Wilhelmshöher Allee Höhe Murhardstraße, Blick in Richtung Herkules - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel Visualisierung: Wilhelmshöher Allee Höhe Murhardstraße, Blick in Richtung Herkules - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel

Bestand: Wilhelmshöher Allee Höhe Querallee, Blick in Richtung Herkules - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel Bestand: Wilhelmshöher Allee Höhe Querallee, Blick in Richtung Herkules - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel

Visualisierung: Wilhelmshöher Allee Höhe Querallee, Blick in Richtung Herkules - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel Visualisierung: Wilhelmshöher Allee Höhe Querallee, Blick in Richtung Herkules - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel

Bestand: Wilhelmshöher Allee Höhe Pettenkoferstraße, Blick in Richtung Innenstadt - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel Bestand: Wilhelmshöher Allee Höhe Pettenkoferstraße, Blick in Richtung Innenstadt - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel

Visualisierung: Wilhelmshöher Allee Höhe Pettenkoferstraße, Blick in Richtung Innenstadt-zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel Visualisierung: Wilhelmshöher Allee Höhe Pettenkoferstraße, Blick in Richtung Innenstadt - zur vergrößerten Darstellung auf das Bild klicken; © PLF Kassel


Entwurfsbeschreibung

Der vorgelegte Entwurf sieht die Neupflanzung von ca. 225 Linden, die Sanierung des Baumbestandes in der Allee, den Neubau und die Überarbeitung des Rasengleises, Pflanzung von Heckenkörpern auf den Gleisnebenflächen, Pflanzung von Ranker an den Straßenbahnmasten; sowie die Erneuerung von Teilen der Möblierung vor.

Entsprechend ihrer Historie wird die Allee durch Linden ergänzt (bereits ab 1762 wurden ca. 1.000 Linden von der Kasseler Esplanade und den abgetragenen Wällen der Stadtbefestigung an die neu entstandene Allee verpflanzt). Entsprechend heutigen Ansprüchen sind drei Lindensorten für die Neupflanzung vorgesehen:

  • Tilia cordata ‚Greenspire‘, Stadt-Linde (10-12 m breit)
  • Tilia cordata ‚Rancho‘, Winter-Linde (4-6 m breit)
  • Tilia platyphyllos ‘Örebro’, Schmale Sommer-Linde (schmal-kegelkronig, später breit-eiförmig)

Die Linden werden in Abschnitten nach dem zur Verfügung stehenden Platzangebot verteilt. Die Pflanzung von drei Lindenarten verringert das Risiko, dass bei einem späteren Ausfall einer Sorte die gesamte Allee davon betroffen wäre. Zusätzlich werden die Lindenbäume aus dem Bestand erneuert, die laut Kartierung des Umwelt- und Gartenamtes der Stadt Kassel starke Schäden aufweisen.

Durch die Vergrößerung der vorhandenen Baumscheiben werden die Lebensbedingungen auch für die beizubehaltenden Alleebäume verbessert. Die Einfassungen aller Baumscheiben werden dazu erneuert und so gesetzt, dass der wasser- und luftdurchlässige Bereich die vorgegebene Mindestgröße von 8 m² überschreitet. Zusätzlich werden versiegelte Stellplätze zwischen den Baumscheiben entsiegelt und mit Natursteinpflaster entsprechend den umliegenden Flächen aus Basalt- oder Granitkleinpflaster befestigt. Das Pflaster besitzt wasser- und luftdurchlässige Fugen, wodurch die Lebensbedingungen der Bäume zusätzlich verbessert werden.

Auf den Gleisnebenflächen werden zudem Hainbuchenhecken segmentweise gepflanzt. Diese fungieren als gliedernde Elemente, durch die die lineare Raumwirkung der Allee gestärkt werden soll.
Wesentlicher weiterer Bestandteil des Projektes ist die Begrünung des Gleisköpers mit Rasen bzw. dessen Sanierung. Die Maßnahme bezieht sich auf zwei Abschnitte zwischen Humboldtstraße und Kirchweg Höhe Germaniastraße (mit automatischem Bewässerungssystem; 1,6 km) und zwischen Kirchweg und Graf-Bernadotte-Platz (ohne automatisches Bewässerungssystem; 1 km).
Da die KVG nur in einem Turnus von 30 Jahren die Gleise erneuert, fallen im   zweiten Abschnitt erst in den nächsten zehn Jahren Sanierungsarbeiten an. Denkbar wäre dann in diesem Rahmen ebenfalls ein automatisches Bewässerungssystem zu installieren.


Projektablauf

Das Projekt gliedert sich in drei Bauabschnitte die von Ende des Jahres 2016 bis Ende 2018 realisiert werden. Der erste Bauabschnitt betrifft dabei den Bereich von der Humboldtstraße bis zum Rathenau-Platz/Adolfstraße und wird bis Ende des Jahres 2016 realisiert.

Der zweite Bauabschnitt im Jahr 2017 schließt an bis zum Kirchweg, während der dritte Bauabschnitt bis zur Schulstraße bis zum Ende des Jahres 2018 erfolgt. Hierbei wird für die Herstellung der Baumscheiben, des Rasengleises und der Heckenkörper am Gleisbett die Fahrbahn abschnittsweise einspurig geführt, so dass eine geringst mögliche Beeinträchtigung des Verkehres erfolgt.

Auskunft zum Thema:

Institution: Stadt Kassel, Umwelt- und Gartenamt
Ansprechpartner: Alexander Siebert
Telefon: 0561/ 787-6286
Telefax: 0561/ 787-6090
E-Mail: umwelt-gartenamt@kassel.de
Büro: Z 104
Anschrift: Bosestraße 15
34121 Kassel
Stadtplan: Lage im Stadtplan
Veröffentlicht am:   20. 07. 2016  

Service

Social Media