Häufig gestellte Fragen zur Inklusiven Bildung in Kassel (FAQ)

Was ist Inklusion?   
Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion. In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden, damit die Umwelt für alle zugänglich wird, aber auch durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander. (Quelle: Aktion Mensch)

Was bedeutet Inklusion im Bildungsbereich?
Inklusion im Bildungsbereich bedeutet, dass allen Menschen die gleichen Möglichkeiten offen stehen, an lebenslanger, qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potenziale entwickeln zu können, unabhängig von besonderen Lernbedürfnissen, Geschlecht, sozialen oder ökonomischen Voraussetzungen. (Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.)

Was ist der Unterschied zwischen Inklusion und Integration im Bildungswesen?   
Die integrative Unterrichtung und Erziehung in zahlreichen Schulen hat in den letzten Jahrzehnten deutlich gemacht, dass guter gemeinsamer Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler lernwirksam und sozial förderlich ist. Bei der Integration werden Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf in die bestehende allgemeine Schule einbezogen, ohne dass sich allerdings das Bildungswesen selbst substantiell verändert. Bei der Inklusion wird das Bildungssystem insgesamt hinterfragt und so verändert, dass es allen Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen von Anfang an gerecht wird. Inklusion im Bildungswesen erkennt: Anderssein ist normal und alltäglich. (Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.)

Was sind die rechtlichen Grundlagen von inklusiver Bildung?
Seit 2009 ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland verbindlich. Damit hat sich Deutschland verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem einzurichten. Die Konvention legt fest, dass alle Menschen das gleiche Recht auf volle Teilhabe an der Gesellschaft haben. (Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.) Mit der Novellierung des Hessischen Schulgesetzes im Jahr 2011 wurde Artikel 24 UN-BRK in Landesrecht transferiert. Eine weitere Umwandlung der Gesetzesgrundlage für die Schulbildung wurde im Mai 2017 vom Hessischen Landtag verabschiedet.

  • Alle schulpflichtigen Kinder werden in der allgemeinen Schule angemeldet.
  • Inklusive Beschulung findet als Regelform in der allgemeinen Schule statt.

Welche Vorteile hat ein Kind mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung dadurch, dass es in einer inklusiven Schule lernt?      
Das Kind wechselt gemeinsam mit den anderen Kindern seines Wohnumfeldes vom Kindergarten in die zuständige Grundschule. Bestehende Kontakte und Freundschaften können weiter gepflegt werden. Das Kind erfährt die Zugehörigkeit zu der Gruppe der Kinder aus seinem Wohnumfeld, es erhält keinen Sonderstatus. Das Kind kann seine Erfahrungen, Kenntnisse, Fähigkeiten und Lernmöglichkeiten im Austausch mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern erweitern.

Werden Schülerinnen und Schüler, die schneller lernen, von langsamer lernenden Schülerinnen und Schülern beim Lernfortschritt aufgehalten?     
Inklusiver Unterricht zeichnet sich dadurch aus, dass jedes Kind- ob mit oder ohne Förderbedarf- in einem gemeinsamen Unterricht individuell nach seinen persönlichen Fähigkeiten gefördert wird. Durch die verstärkte individuelle Förderung erhöht sich die Lernwirksamkeit bei allen Kindern. Gleichzeitig verbessern alle Schülerinnen und Schüler ihre Sozialkompetenz.

Welche Förderschulen gibt es in Kassel?    
Die Stadt Kassel ist Träger der folgenden Förderschulen:

  • Alexander-Schmorell-Schule, Schule mit den Förderschwerpunkten: körperliche und motorische Entwicklung/ kranke Schülerinnen und Schüler
  • August-Fricke-Schule, Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
  • Mönchebergschule, Schule mit den Förderschwerpunkten Lernen (läuft aus)/ kranke Schülerinnen und Schüler
  • Osterholzschule, Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen
  • Pestalozzischule, Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen
  • Wilhelm-Lückert-Schule, Schule mit den Förderschwerpunkten Sprachheilförderung/ Sehen (Grundstufe)/ Hören (Grundstufe)


Daneben bestehen Förderschulen in privater Trägerschaft und in Trägerschaft des Landeswohlfahrtsverbandes:

  • Käthe-Kollwitz-Schule, Schule mit dem Förderschwerpunkt für kranke Schülerinnen und Schüler an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Träger: LWV
  • Georg Büchner Schule, Schule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung Träger: AKGG
  • Jean-Paul-Schule, Waldorfschule für Lern- und Erziehungshilfe, staatlich geprüfte Förderschule
  • Heil- und Erziehungsinstitut für Seelenpflegebedürftige Kinder und Jugendliche Lauterbad e. V., Schule mit den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung und emotional und soziale Entwicklung

Bleiben die Förderschulen in Kassel bestehen?     
Die Schulform Förderschule wird es auch weiterhin in Kassel geben, aber nicht jede Förderschule bleibt bestehen. Für jeden Förderschwerpunkt wird es auch in Zukunft ein Förderschulangebot geben.

Für welche Schulen/Schulformen gibt es Veränderungen?        
Die Umsetzung der inklusiven Bildung betrifft alle Schulen und Schulformen. Das Ziel der Stadt ist es, Angebote zur inklusiven Beschulung von Kindern aller Förderschwerpunkte vorzuhalten. Die flächendeckende inklusive Beschulung führt zu einem Rückgang der Schülerzahlen in den Förderschulen und damit zu einem Rückbau von Förderschulangeboten.

Wie sieht der Zeitplan für die inklusive Bildung in Kassel aus?   
Die Umsetzung der inklusiven Bildung in Kassel ist ein langfristig angelegter und stadtweiter Entwicklungsprozess. Dieser Prozess wird durch die Modellregion "Inklusive Bildung in der Stadt Kassel" (2015/16 bis 2019/20) unterstützt, hört aber mit dem Ende der Modellregion nicht auf.

Können Eltern auch entscheiden, dass ihr Kind mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf eine Förderschule besucht?      
Ja, die Eltern haben das Wahlrecht für ihre Kinder. Sie können wählen zwischen einer inklusiven Beschulung an der Regelschule oder einer Beschulung an einer Förderschule.

Wenn eine Förderschule schließt, was passiert dann mit den Schülerinnen und Schülern, die dort noch zur Schule gehen?     
Die Förderschulangebote, die geschlossen werden, laufen schrittweise aus. Alle Schülerinnen und Schüler, die bereits eine Förderschule besuchen, können ihren Schulbesuch an dieser Schulform beenden. Die verschiedenen Möglichkeiten (Verbleib an der bisherigen Förderschule, Wechsel der Klasse an eine andere Förderschule des gleichen Förderschwerpunktes, Einrichtung von Kooperationsklassen der Förderschule an allgemeinen Schulen, inklusive Beschulung an der allgemeinen Schule) werden frühzeitig gemeinsam mit den Eltern erörtert.

Wie viele Förderschüler/innen besuchen in Kassel eine Förderschule?      
Im Schuljahr 2016/17 besuchen insgesamt 839 Schülerinnen und Schüler die städtischen Förderschulen, davon haben 626 SuS ihren Wohnsitz innerhalb der Stadt Kassel, 213 SuS sind ortsfremd.

Wo erhalten Eltern Informationen und Beratung zu schulfachlichen und pädagogischen Fragen des inklusiven Unterrichts?      
Neben dem regionalen Beratungs- und Förderzentrum (BFZ) an der Astrid-Lindgren-Schule sind am Staatlichen Schulamt für den Landkreis und die Stadt Kassel Fachberater für Inklusion fest installiert. Ansprechpartnerin: Anna-Maria Plehn

Welche Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte werden angeboten?   
Im Rahmen der Umsetzung der Modellregion Inklusiven Bildung in der Stadt Kassel stellt das Staatliche Schulamt monatlich einen Fortbildungskalender zusammen. Hier finden Lehrkräfte und Schulleitungen Seminare, Fachtagungen und Abrufangebote für ihre Schule rund um die inklusive Bildung.

Was ist eine "Modellregion Inklusive Bildung" in Hessen?    
Die "Modellregion Inklusive Bildung" ist ein auf mehrere Jahre angelegter und begleiteter Entwicklungsprozess in einer Stadt oder einem Landkreis zur Umsetzung der Inklusion. Mit der Einrichtung der "Modellregion Inklusive Bildung" werden inklusive Strukturen im allgemeinen Schulsystem flächendeckend entwickelt. Die allgemeinen Schulen werden in ihrem inklusiven Prozess nachhaltig unterstützt und begleitet, bestehende Ressourcen werden gebündelt und Vernetzungsstrukturen mit allen beteiligten Professionen und Institutionen aufgebaut.

Welche Modellregionen gibt es in Hessen?      
Zu den Modellregionen gehören die Stadt Wiesbaden, der Wetteraukreis, der Hochtaunuskreis, der Landkreis Offenbach, die Stadt Frankfurt am Main, die Stadt Kassel, der Main-Kinzig-Kreis, die Stadt Hanau sowie der Landkreis Groß-Gerau mit den Städten Kelsterbach und Rüsselsheim.

Was will die Stadt mit der "Modellregion Inklusive Bildung in Kassel" erreichen?   
Ziel der Stadt ist es, den Prozess der Umsetzung inklusiver Bildung in Kassel gut zu begleiten, mit den Ressourcen von Stadt und Land abzusichern und die institutionsübergreifende Zusammenarbeit zu fördern. Durch die Modellregion können die Landesressourcen (Förderschullehrerstellen) gesichert werden, die sonst durch den Umbau weg von den Förderschulen hin zu den Regelschulen verloren gehen würden. Mit Hilfe der "Modellregion Inklusive Bildung" soll Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen noch leichter ermöglicht werden, eine allgemeine Schule in Kassel zu besuchen. An der Vorbereitung der Modellregion haben das Land Hessen, das Staatliche Schulamt für den Landkreis und die Stadt Kassel gemeinsam gearbeitet.

Welche ersten Schritte werden gegangen?     
Mit dem Land Hessen wurde eine Kooperationsvereinbarung über die "Modellregion Inklusive Bildung in der Stadt Kassel" abgeschlossen. Eckpunkte zur Umsetzung ab dem Schuljahr 2015/16:

  • Aufbau einer flächendeckenden inklusiven Beschulung in Kassel
  • Abbau/ Rückbau stationärer Systeme (Förderschulen)
  • Inklusive Angebote für alle Förderschwerpunkte
  • Zusammenlegung von bisher vier Beratungs- und Förderzentren zu einem regionalen Beratungs- und Förderzentrum am Standort der Astrid-Lindgren-Schule
  • Schulentwicklung/ Fortbildung im Kontext von Inklusion
  • Prozessbegleitung/ Evaluation
  • Ressourcenbeteiligung der Stadt Kassel
  • Beitrag des Landes: "Einfrieren" von Förderschullehrerstellen sowie   zusätzliche Lehrerstellen für den inklusiven Unterricht


Wie geht es nach dem Projektende der Modellregion Inklusive Bildung weiter?
Als Weiterentwicklung der Modellregionen Inklusive Bildung wurden 2016 die ersten inklusiven Schulbündnisse (iSB) aufgebaut. Mit dem im Mai 2017 verabschiedeten neuen Schulgesetz gehen in Hessen die inklusiven Schulbündnisse in die Fläche. Nach dem Ende der Laufzeit der Modellregion wird dieses Konzept auch in der Stadt Kassel umgesetzt.  

Was steckt hinter dem Konzept der   inklusiven Schulbündnisse?
Das Ziel der Schulbündnisse besteht darin, in Zukunft eine noch bessere regionale Vernetzung sonderpädagogischer Bildungs- und Betreuungsinstitutionen zu gewährleisten. Sie bestehen aus regionalen Entscheidungsträgern der allgemeinen Schulen, der Förderschulen und dem jeweiligen regionalen Beratungs- und Förderzentrum (rBFZ).
Diese Entscheidungsträger werden an einen Tisch geholt, um gemeinsam den besten Förderort für jedes einzelne Kind zu finden, das sonderpädagogischer Förderung bedarf. Dabei soll möglichst jeder Elternwunsch auf inklusive Beschulung berücksichtigt werden. Den betroffenen Schülerinnen und Schülern soll eine durchgängige, inklusive Schulbiografie ermöglicht werden. Daher werden durch verbindliche Absprachen auch die Übergänge zwischen abgebender und aufnehmender Schule geregelt. Da Inklusion als Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an der Gesellschaft nicht mit dem Schulabschluss endet, wird auch der Übergang in die Berufs- und Ausbildungswelt durch die inklusiven Schulbündnisse begleitet. (Quelle: Hessisches Kultusministerium)

Was will die Stadt mit dem "Rahmenkonzept Inklusive Bildung in Kassel" erreichen?     
Die AG "Inklusive Bildung in Kassel" hat im Schuljahr 2014/15 ein Rahmenkonzept zur inklusiven Bildung in Kassel erarbeitet. Beteiligt waren Vertreter/innen aus Schulen, dem Staatlichen Schulamt, der Stadtverwaltung Kassel, der Kindertagesstätten, der Studienseminare, der Behindertenverbände und anderer Institutionen sowie der Eltern- und Schülervertretungen. Im Rahmenkonzept wurden Ziele und Standards zu einzelnen Themenbereichen für die Umsetzung der "Inklusiven Bildung in Kassel" in den nächsten Jahren formuliert. Es geht darum, den Blick auf das Thema Inklusive Bildung zu weiten, die fachliche Expertise der unterschiedlichen Beteiligten zu sammeln und die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik fachlich zu beraten. Die Umsetzung der inklusiven Bildung ist ein langfristiger Prozess, der über die Laufzeit der Modellregion wirkt.

Gibt es Regelschulen, die Inklusion schon heute beispielhaft umsetzen?      
Zahlreiche Schulen setzen Inklusion auch in Deutschland bereits sehr erfolgreich um. Einige dieser Schulen wurden mit dem Jakob Muth-Preis ausgezeichnet, und auch die Schulen des Deutschen Schulpreises sind häufig inklusiv arbeitende Schulen. (Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.) Auch in Kassel gibt es viele Schulen, die sich mit dem Thema Inklusion schon seit langem beschäftigen und diese schrittweise umsetzen. Die Offene Schule in Waldau war im Jahr 2006 Preisträger des Deutschen Schulpreises und im Schuljahr 2012/13 Preisträger des Jacob-Muth-Preises. Zudem hat die Reformschule als Versuchsschule des Landes den Auftrag, sich dem Handlungsfeld der Inklusiven Bildung in besonderem Maße zu widmen. Die Erfahrungen der Schule wurden 2016 in einem "Lesebuch zur Inklusion" veröffentlicht. Darüber hinaus arbeiten viele weitere Schulen in Kassel inzwischen erfolgreich im Rahmen der inklusiven Bildung.

Veröffentlicht am:   11. 07. 2017  


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